Vorwort von Dr. Peter Orban


Es ist schon eigenartig, wie die Großen Mächte mit uns kleinen Menschen spielen. Es war vor etwa vier Jahren und ich war gerade zutiefst verstrickt in das Thema der multiplen Persönlichkeit, als ein Patient, der homöopathischer Arzt ist, mir eine Kassette mit einem Vortrag von einem Andreas Krüger aus Berlin gab und sprach: „Das könnte ganz interessant für Sie sein."
Der Vortrag handelte davon, daß besagter Andreas Krüger mit Hilfe homöopathischer Mittel seine inneren Teil¬persönlichkeiten, also seine eigene Multiplizität zum Leben erweckte und über die Mittel Kontakt zu ihnen aufnahm. So fand er zu seinem eigenen inneren (heiligen) Franziskus, seinem Napoleon, seinem Attila (der Hunnenkönig!), seinem Alexis Sorbas und seinem Britzer Bauern.
Ich war aufgewühlt. Nicht nur über die Nähe unserer beiden Themen, sondern auch über die Art, wie da ein homöopathischer Lehrer über seine intimsten Berührungen durch seine eigenen Seelen-Figuren sprach. Das war für mich Manna! Richtige Nahrung. Ich wollte mehr und ich bekam mehr. Erst einmal mehr Kassetten. Einige Monate später lernte ich Andreas dann persönlich kennen. Und bei manchen Menschen ist es nun einmal so: Schon bei der ersten Begegnung spürt man, man ist Sproß vom gleichen Baum! Als trüge man in sich den Samen des gleichen (mythologischen) Großvaters und ein Kreis schließe sich: Nicht nur ich hatte Andreas auf der Kassette ein erstes Mal kennen- und schätzen gelernt. Andreas ging es - wie sich später herausstellte -ebenso: Er hatte vor Jahren meine Kassette „Kabbala" gehört und diese war ihm so lieb geworden, daß er sie sogar seinem kabbalistischen Lehrer vorgespielt hatte. Und so waren wir beide stolz aufeinander. Kann man mehr sagen? Das ist nun mal die Attitüde von Brüdern. Und auch der Arzt, der diesen Bund stiftete, also uns zusammenbrachte, ist heute Teil dieser Bruderschaft. Männerbünde? Ja, vielleicht.
Nicht nur das Thema der Teilpersönlichkeiten („Ich hin viele") hat unsere gemeinsame Aufmerksamkeit, sondern die Seele des Menschen schlechthin. Andreas hat sich längst von der klassischen Homöopathie als alleinseligmachendes Agens entfernt und strebt dem großen Gebilde der Seele auch von anderen Seiten her zu.
Ich sehe das so: Die Seele ist wie der große Ozean, in dem wir alle vereint sind. Aber unser Bewußtsein ist noch nicht eingegangen in dieses großes Meer. Freilich, es sehnt sich danach („nach Hause", sagt E.T.) und hat gleichzeitig sehr viel Angst davor. Und so gibt es viele Ströme, Flüsse, die dorthin fuhren. Die sich verästeln und ineinander übergehen und wieder neue Namen tragen. Viele Wahrheiten sind noch zu durchqueren (viele Innenpersonen zu entdecken), bis wir am Liter des großen Meeres stehen. Einer der Ströme, die uns ein Stück des Weges weiterbringen, ist mit Sicherheit die Homöopathie. Aber mit der Homöopathie allein werden wir nicht ankommen. Wir müssen auch die anderen Flüsse sehen. Denn: kein Fluß allein ist in der Lage, uns nach Hause zu bringen.
Ein anderer, mächtiger Strom, der uns der Seele näherbringt, ist die Trance, von der dieses Buch handelt. Andreas ist - ganz ebenso wie ich es bin - einer der Menschen, die diesen Strom kennen- und liebengelernt haben. Und so lag es nahe, daß er das tat, was vor ihm - wie ich glaube - keiner in dieser Konsequenz unternommen hatte. Er kombinierte die Ströme der Homöopathie und der Trance -ließ also beide Ströme ineinanderfließen - und schuf so eine neue Gattung: Die Arzneimittel-Trance. Dieser Fluß ist breiter als es beide Einzelströme vorher waren. Aber damit nicht genug: Immer mehr strömte in den letzten Jahren ein neues Wasser in Andreas' Leben und in seine Arbeit hinein: Die systemische Familientherapie mit ihren Ehrungen und Würdigungen, auf die Bert Hellinger uns aufmerksam gemacht hatte (und mit der Andreas mich infiziert hatte) bildete in den letzten beiden Jahren ein gewaltig dröhnendes
Wildwasser und schoß jetzt (ja so muß man es sagen) mit Macht in seine Trancen ein.
Und so dürfen wir gespannt sein, welche Wasser Andreas noch auf seinem Weg durchs Leben in seine Arbeit - zum Wohle seiner Seele und zum Wohle seiner Seelsorge -erschließen und hinunterfahren wird. Er ist auf seinem Seelen-Schiff ein machtvoller Kapitän und ich beglückwünsche (und beneide) alle Passagiere, die sich diesem Boot anvertrauen.
Der Herausgeber dieses Buches, Martin Bomhardt, hatte sich gewünscht, daß ich etwas zu den Trancen von Andreas sage: Mein Gott, was soll ich schon sagen? Andreas spricht keine Trancen, er ist (mit seiner Sonne in 12!) die Personifizierung der Trance. Er spricht sie nicht, er verkörpert sie!
Mit der Trance ist es nämlich so: In der Unsichtbarkeit der Welt ist sie vorhanden; sie war immer da und sie wird immer da sein. Und manchmal wählt sich die Trance einen Menschen aus, damit sie verkörperlicht wird - der sie also verkörpern muß. Alles, was dazu zu sagen ist: Andreas wurde ausgesucht.
Und jetzt hat sich die Trance eben zusätzlich noch Martin ausgesucht, Andreas' Verkörperungen durch ein Buch noch ein bißchen mehr zu verkörpern. Ist das denn so schwer zu verstehen? Ich werde mich hüten, dazu irgendeinen Kommentar abzugeben.


Peter Orban
Frankfurt, 3.Januar 1997


 

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