Von der Reise in die reinen Länder unserer Träume 

Interview zu den Trancen des Andreas Krüger 

Von Marion Rausch

(erschienen in BERLINER HEILPRAKTIKER NACHRICHTEN Heft 6/99)

 

Frage:

Heute morgen ist mir ein Sprichwort über den Weg gelaufen, das hieß: Man soll seine Träume leben und nicht sein Leben träumen, die „Hahnemänner- und Frauen“ mit Dir an der Spitze, Andreas, verstehen das nun ganz anders...

KRÜGER:

Ich weiß nicht, ob es C.G. Jung war oder ein anderer unserer großen „Alten“, der einmal sagte: Das Tagesbewusstsein, das wir haben, auf das wir so stolz sind und das wir in irgendwelchen IQs messen, und das diese Welt ja auch im wesentlichen regiert, wäre eine verschwindend kleine Insel im riesigen Ozean unseres archaisch tiefen, urhaften Unterbewusstseins. Wenn wir mal davon ausgehen, zu diesem Unterbewusstsein irgendwie Kontakt zu kriegen, dann haben seit Ewigkeiten Priester, Heiler und Schamanen aller Völker die Trance benutzt, als primäres Medium der Kontaktaufnahme zu diesem „Ozean“ unseres Unbewussten. Sie haben viele, viele Tausend Jahre aus diesem Kontakt heraus ihr Leben gestaltet, das Leben ihrer Völker und das Leben des Planeten gestaltet. Und ich behaupte mal: nicht schlecht!

Die Trance, das Orakel in Trance,... zum Finden von Krafttieren, höherem Lehrer, die Trance zum Wiederfinden verloren gegangener Seelenanteile, die Trance zur  Austreibung böser Geister, die Trance in den Tempeln Ägyptens, wo uns der Gott erschien und wir uns auch erinnerten, daß wir ja auch gesund sind.., die Trance im Orakel von Delphi, wo die Pythia die Botschaften an die Großen dieser Welt gab, war, ich behaupte einmal bis zum Ende des Matriarchats, die führende Kraft auf dieser Erde. DIE Trance, DIE! Dreimal unterstrichen.

Und wir wissen auch, daß Menschen mit einer besonders entwickelten weiblichen Bewusstseinsseele, ob Frau oder Mann, zur Trance, zu diesem Trancebewusstsein, zu diesem matriarchalen Bewusstsein, viel leichter Zugang finden, als diejenigen, die in ihren 5 Prozent patriarchalem Tagesbewusstsein , in ihrem Bewusstsein des „kleinen Ichs“, wie Dyrckheim es nannte, leben und wirken. Mit dem Untergang des Matriarchats ging im Grunde auch die Trancekultur unter. MANN verließ sich immer mehr auf seinen Intellekt, auf den Maschine gewordenen Intellekt des Computers. Und ich behaupte, dass derselbe Intellekt diese Welt ruiniert hat. Sie steht kurz vor dem Kollaps. Ich denke, dieses kleine Bewusstsein, dieses kleine ICH, was diese Welt ruiniert, ist das schlechteste Medium, um sie jetzt zu retten. Und ich denke, dass in der Wiederbelebung der Trance, der Wiederbelebung des Zugangs zum matriarchalen, schamanistischen Trancebewusstsein eine Möglichkeit besteht, wieder an Verbündete zu kommen, wieder Wissen zu kommen, was eben nicht durch denkerische Leistungen zu erlangen ist. Trancen sind Lebensnotwendigkeiten, die dem Klienten helfen, seine EIGENE Wahrheit zu erfahren . Die Trance ist immer selbsterfahrungsorientiert.

 

Frage:

Ein Satz aus dem Vorwort von Peter ORBAN aus dem ersten Deiner beiden Trance- Bücher lautet:

Mit der Trance ist es nämlich so: in der Unsichtbarkeit der Welt ist sie vorhanden. Sie war immer da, und sie wird immer da sein. Und manchmal wählt sich die Trance einen Menschen, damit sie verkörpern wird. Der sie also verkörpern MUSS. Alles, was dazu zu sagen ist: Andreas wurde ausgewählt. Punkt!“

Wie ist das in Deinem Leben? Hast Du schon als Fünfjähriger getranct, im Buddelkasten gar?

 

Krüger:

Erst mal muss ich sagen, dass mir eine große Gnade zuteil wurde, die sich in diesem Wort von Orban ausdrückt, weil: dass das so ist, liegt nicht in meinem Verdienst. Ich habe es mir nicht erworben.  Jedenfalls nicht in diesem Leben.

Frage:

...Du warst also in keiner Trance- Schule, hast keine 10 Bücher gelesen, wie man das anstellt oder so was?


Krüger:

Ich war auf keiner Trance-Schule, habe keine Bücher darüber gelesen...Ich denke, dass dies auch eher kontraproduktiv ist. Ich hatte das große Glück, im Zeichen des Krebses geboren zu sein. Diesen „Umstand“ verdanke ich meinen Eltern, die sich diese Zeugung ausgesucht haben. Doppelkrebse, besonders, wenn unsere Planeten noch im 12. Haus stehen, sind einfach durch den Umstand des Geborenwerdens zur TRANCE GEBOREN. Mit Käthe Kollwitz gesprochen ist eine Gabe eine Aufgabe. Und ich habe diese AUFGABE ergriffen, ergreifen müssen. Ich trance ja nicht nur willentlich, sondern ich falle in Trance, die Trance ergreift mich.

Frage:

Wann ist Dir das bewusst geworden?

Krüger:

Bewusst geworden ist mir so was auf langen Schulwegen, auf denen ich mir ganze Welten zusammen erzählte. Das wären wahrscheinlich Enzyklopädien gewesen von irgend welchen Phantasiageschichten, die ich vor mir her erzählte, Und noch heute ertappe ich mich manchmal, dass ich beim Autofahren, wenn ich innerlich Vorträge „erarbeite“, in einen Bewusstseinszustand abtauche, und mit einem Mal meine Vorträge vor mir her erzähle. Und dann sagt meine Tochter: „Ha, jetzt redet er wieder mit sich selbst.“

Dieses „Mitsichselbstreden“ in einem veränderten Bewusstseinszustand hat mich von frühester Kindheit an ergriffen. Ich WAR Prinz Eisenherz.

Frage:

Hast Du es für Dich selber würdigen können, wurde es von außen gewürdigt?

 

Krüger:

Ich habe nicht so vielen Leuten davon erzählt, weil ich wusste: in dieser Welt ist es nicht unbedingt die Norm. Ich hatte zum Glück ein Elternhaus, das dieses „Verträumte“ akzeptierte. Ich hatte Lehrer, die es akzeptierten, wenn auch nicht förderten. Dann kam natürlich die große Zeit des politisch Bewegtseins, des hippihaften Bewegtseins,...ich war ein Träumer, und frühdruidische psychedelische Experimente haben dies noch eher unterstützt. Als ich anfing, mich mit Heilkunde zu beschäftigen, besonders mit der Homöopathie, hatte ich lange Zeit das Gefühl, dass etwas für meine Seele sehr Wichtiges fehlt: nämlich das Einbeziehen der geistigen unsichtbaren Welt in das  Kranksein des Menschen.

Ich habe, bevor ich Homöopathie genommen habe, nie geträumt. Mit Ausnahme einiger frisch verliebter Träume. Aber das TRÄUMEN begann in meinem Leben mit der Homöopathie. Und der erste Traum, an den ich mich erinnern kann, war ein Traum, wo ich an meinem Schreibtisch saß, unwahrscheinlich viele Bücher vor mir, und die Bilder dreier Männer hingen vor mir: Wilhelm Reich, Rudolf Steiner und Samuel Hahnemann. Ich wusste, alle diese Bücher waren von diesen Männern, und eine Stimme sagte: „aus diesen Büchern schreibe eins.“ Und ich hörte mich sagen: „Das kann ich nicht. Ich habe die ja noch gar nicht alle gelesen“.

Ich habe sie bis heute noch nicht alle gelesen. Aber dass neben Reich, dem großen Mesias einer befreiten Sexualität, neben Hahnemann, der nicht minder mesianisch uns eine wunderbare Arznei an die Hand gab, Rudolf Steiner hing, der große Ergründer und Lehrer des eigentlich unergründbaren Geistigen, hat mein Leben sehr geprägt. Ich war immer bemüht, die Botschaften des Anderweltlichen, ob in der Anamnese oder in meine Träumen,

wahrzunehmen, mich von diesen Botschaften inzwischen auch und zunehmend auch leiten zu lassen. „Man kann einen Traum nicht fristlos entlassen, man schuldet ihm noch sein Leben“, frei nach einer großen feministischen Schriftstellerin...

Der endgültige Durchbruch kam dann mit meinem Zusammentreffen mit Salman Schalomi Schachter, dem ich lange Jahre, direkt, Auge in Auge als sein Schüler gegenüber sein durfte- heute leider nur noch im Geiste, aber nicht minder intensiv, der mir nach Tranceerfahrungen, die ich mit ihm machte, fast so was wie einen Auftrag gab: „Jüngelchen“, sagte er, „nehm dieses Medium in Deine Arbeit hinein“. Und aus dem Trancen meiner Schüler zu ausschließlich didaktischen homöopathischen Zwecken kam dann ein immer weiter Eintauchen in diesen Zustand des INTRANCESEINS, kam ein immer weiter Eintauchen in diese Galaxien der Seele.

Und dann, nach meiner Begegnung mit Peter Orban, kam das Wissen der therapeutischen Effizienz dieser Arbeit.

 

Frage:

Es gibt inzwischen zwei Trance-Bücher von Dir, das erste heißt „Homöopathische Seelenreisen“, das zweite „Die Tafelrunde der Seele“. Da ist was passiert auf diesen Reisen...?

KRÜGER:

Die Reisen begannen so: ich nahm Träume, die meine Patienten unter Mitteln geträumt hatten, unter Mitteln, die ihnen deutliche halfen, bis ins Physische hinein. Und diese Träume schickte ich meinen Schülern in den homöopathischen Seelenreisen. Z.B.: Sepia- Patientin träumt, sie reitet nackt auf einem Pferd. Und ich trancte meine Schülerinnen dann auch, nackt auf einem Pferd reitend, an einer stürmischen Küste. Und ließ sie damit Erfahrungen machen. Ich merkte, dass dieses Bild in ihnen oft tiefe Gefühle, neue eigene Bilder anregte.

Frage:

...und damit ein sinnlicheres Verständnis des Hauptthemas einer Arznei gebend? 

KRÜGER:

...und damit ein sinnlicheres Verständnis findend, eben erlebbarer als nur mit der Symptomenlehre. Das ist das eine. Wobei ich immer wieder sagen muss, dass ich oft (inzwischen mache ich es ganz bewusst) nicht meine Schüler in eine Trance schicke, sondern mich selbst in eine Trance begebe, und ihnen eigentlich erzähle, was mir in dieser Trance geschieht. Dieses Wort der Maria: Mir geschehe!, ist für mich in meinem Leben und gerade in meiner Trance Credo geworden. Nun fällt es auch einem Doppelkrebs mit 30% Pulsatilla an seiner inneren Tafelrunde besonders leicht, mir geschehe zu sagen. Einem lycopodischem Steinbock mit Skorpion- Ascendent fällt dies wahrscheinlich sehr, sehr viel schwerer. Aber nun gut: Gnade ist Aufgabe. Das bedeutet, dass anfänglich einfach Bilder weitergegeben wurden, dann – wie ich es sage- Zugänge zu den herbei gerufenen Arzneiwesen geschaffen wurden, wie wir sie auch immer wieder in der Verreibung erleben. Wir rufen das Arzneiwesen herbei, öffnen unsere Wahrnehmungsorgane für das herbei gerufene Arzneiwesen, lassen dieses Arzneiwesen durch uns sprechen. Der nächste Schritt war einfach die therapeutische Trance. Durch meine Begegnung mit Roberto Assagioli, durch die Psychosynthese der Teilpersönlichkeiten, durch meine eigene Entdeckung der homöopathischen Tafelrunde, durch den Kontakt mit Peter Orban, seiner Entdeckung der im Grunde auch nicht pathologisch multiplen Persönlichkeit, war mir einfach klar, daß Trance nicht nur Zugang ist, didaktischer Zugang zum tieferen Verständnis von Arznei, sondern dass Trance AUCH Zugang ist zu diesem Meer meines Unbewussten, zu den Vielen, die in meiner Seele wandeln, krank sind, verbannt sind... Und dann natürlich nach Orban in meinem Leben vielleicht die wichtigste Begegnung: Bert Hellinger. Wo ich versucht habe, diese Rituale, die ich bei ihm auf der Bühne erlebt habe, in Trance den Patienten machen zu lassen. Selbst in der Trance, also ohne konkrete Bühne, ist das vollzogene Ritual wirksam. Die Umstellung in der Trance ihre heilsame Wirkung findet.

Frage:

Vom heilsamen Bild zur heilsamen Lösung?

KRÜGER:

Vom heilsamen Bild zur heilsamen Lösung... IKONE heißt ja nichts anderes, ein Bild durch das die Heiligen das HEILIGE in unsere Seele hinein wirken lassen. Eine gute Trance ist: eine seelische Ikone malen, ein Bild einer heilen, guten Wirklichkeit in uns hinein geben. Kann aber auch heißen: ein tiefes Trauma aufdecken, nicht um sich auf es zu focusieren, sondern um es, was da traumatisiert wurde, zu befragen, was brauchst du, um dieses Trauma loszulassen, um dieses Trauma zu heilen. Im Grunde ist Trance nichts anderes, als daß wir uns in einen Zustand begeben, und wir schlichtweg eine andere Wirklichkeit wahrnehmen. Völlig ideologiefrei, völlig entmystifiziert. Jeder nimmt für sich das wahr, was er wahrnimmt. Das Irre ist einfach nur, dass eben immer wieder Menschen was ganz Ähnliches wahrnehmen. Beispiel: ich gehe mit meinen Schülern in eine Trance zu Pulsatilla: ich vertiefe mich und sehe, wie ich es bei Pulsatilla meistens sehe, eine afrikanische Hochebene, ich höre die Trommeln, ich sehe die Büffel, und ich fange an zu sprechen: „ und wir sind heimgekehrt ins Land der Großen Mutter, vor vielen tausend Jahren, auf eine afrikanischen Hochebene. Wir hören die Trommeln, wir sehen die Büffel, und wir kehren ein in den Tempel, in den Gral der Großen Schwarzen Muttergöttin, ect...“ Die Trance ist zu Ende, eine mir ähnliche Schülerin, mindestens einfacher Krebs, mindestens 20 % Pulsatilla an der Tafelrunde, kommt auf mich zu und sagt: „Andreas, so was habe ich noch nicht erlebt. Ich mache die Augen zu und ich bin auf einer großen afrikanischen Hochebene, ich höre Trommeln, ich sehe Büffel, und ich sehe in einer Hütte eine Große, mächtige, schwarze Göttin. In dem Moment fängst Du an zu sprechen...“

Was ist passiert? Zwei Ähnliche mit ähnlichen Trance-Rezeptoren haben sich dem herbei gerufenen Pulsatilla- Geist ausgeliefert, und haben ähnliche Wahrnehmungen dieses Pulsatilla- Geistes gehabt.

Das heißt nicht, dass man als skorpionaspektierter Schütze den Pulsatillageist nicht wahrnimmt, aber man wird ihn vielleicht ein wenig anders wahrnehmen. Also Trance heißt nichts anders als: den Schalter umlegen und den ganzen Ozean sehen, nicht mehr nur wie mit den äußeren Augen die kleine Insel Die Trance ist nichts anderes als das Öffnen der inneren Augen.

Es ist nur eine Form des anderen Schauens, in- ich nenne es-.die reinen Länder der Seele. Ikonen der Seele.

Frage:

Zum Nähren: es gibt bei Dir Nährmeditationen, die Mutter ist es, das Mütterliche in uns, das dieses Nährende gibt, Orban nennt das sehr schön: „es (die Trance)gibt der Seele jene Nahrungsmittel, deren es heute an Seelennahrungen erbärmlich armen Zeit so mangelt.“

Was sollen Deine Trancen uns, die wir nicht so trancebegabt sind, an Nährenden geben?

KRÜGER:

Dyrckheim hat mal ein wichtiges Wort gesagt zu jemanden, der mit aller Gewalt erleuchtet werden wollte, der meditierte, er wollte erleuchtet werden, er las Bücher über Erleuchtung, ER MACHTE! Und irgendwann fragte er den Dyrckheim, „was könnte er denn noch machen, um erleuchtet zu werden?“

Dyrckheim sagte: „Nichts!“ „Stille werden“. „Nach innen schauen“.

Gott, Göttin, Erleuchtung sucht uns. Wir müssen sie nicht suchen. SUCHEN VERHINDERT GEFUNDEN WERDEN.

Ich habe letztens eine Trance gemacht zur „Visitenkarte meiner Seele“, das war eine sehr schöne Trance, die ein Therapeut mit uns machte. Wir waren alles Heilpraktiker, wir waren alles Trancer. Es war ein kollegiales Treffen. Und wir hatten alle auf unseren realen Visitenkarten sehr kluge, wunderbare Dinge dort stehen, also bei mir: Andreas Krüger, Heilpraktiker, prozessorientierte Homöopathie, Leibarbeit, systemische Lösungen und so weiter. Auf meiner Visitenkarte der Seele stand auch Andreas, aber dahinter standen Namen von Personen, die ich durch die Trance in meiner Seele entdeckt habe: es war der ISRAEL dahinter, der alte jüdische Rabbi, den es in meiner Seele gibt, es war die HULA dahinter, die hawaianisch- pulsatillerische Kaunapriesterin und Hulatänzerin, es stand der Name YETY dahinter, das stinkende und brunftende Himalaja- Monster, das ständig zu viel ist, zu geil, zu anstößig...Und es stand die Maria dahinter, die Mutter meiner Seele, vielleicht hätte noch Riesenbaby dahinter stehen müssen, wo sich meine Frau ja so sehr beklagt, dass ich nicht erwachsen werden würde.  Orban sagt, damit müsse sie sich wohl abfinden. Aber gerade diesem Riesenbaby in mir verdanke ich ja diese Trance. Es heißt ja nicht für umsonst, wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, werdet ihr das Himmelreich nicht schauen. Darunter, unter dieser Visitenkarte der Seele, stand als Berufsbezeichnung: MENSCHENFLÜSTERER, ERINNERER, NARR und REGENMACHER. Was der Regenmacher bedeutet, weiß ich noch nicht so richtig. Den Menschenflüsterer kann ich gut verstehen, weil man die Trance flüstert, man schreit sie nicht. Und man flüstert es in die Seele, wie in diesem wunderbaren Buch „Der Pferdeflüsterer“ beschrieben ist. Narr ist keine Frage, ich möchte, daß man lacht, und ich komme aus einer Tradition, wo man weiß, dass die Aufgabe des Menschen ist, seinem traurigen Gott Witze zu erzählen, dass der auch mal ein bißchen fröhlicher wird in seiner Einsamkeit. Und die Narren Gottes waren mir immer die liebsten. Erinnerer: und da komme ich zu meiner Hauptaufgabe:

Ich denke, dass diese Welt etwas Wunderbares ist. Und ich denke, dass diese Welt an sich erst mal vollkommen ist, und dass wir Menschen eigentlich vollkommene Geschöpfe sind. Ich denke, dass das Dilemma dieser Welt und das Dilemma des Menschen ist, dass er das vergessen hat. Und dass er nur noch nach seinem kleinen Ich schaut, was fehlt, was noch nicht da ist, und spätestens seit Hellinger wissen wir, dass nicht von Herzen danken für große Gnade dazu führt, dass die Seele mit schlimmerer Krankheit bezahlt. Gerade unser so reiches Volk, wenn ich mir vorstelle, dass alle über alles nörgeln, aber überhaupt nicht in der Lage zu sein scheinen, dass Wunder dieser letzten 10 Jahre zu realisieren, dann befürchte ich, dass die Seele unseres Volkes mit schlimmer Krankheit bezahlen wird. Was ich helfen möchte, als einen kleinen Anteil gewissermaßen, ist, dass wir uns erinnern, dass wir uns erinnern an das Wunder unserer Existenz, an das Wunder dieses Planeten, an das Wunder dieser Schöpfung, und dass wir ein bisschen werden wie Kinder. Einer meiner Lehrer sagte: es gibt drei zentrale Störgefühle: das sind Undank, Ungeduld und Gier. Planetarisch verbreitet: der westliche Wohlstandsmensch wird von diesen drei Störgefühlen geprägt. Die drei heilensten Gefühle sind: die Dankbarkeit, die Achtsamkeit und – das finde ich fast am schönsten- das Staunen.

Und ich möchte die Menschen erinnern...und das kann ich nur, indem ich ihre kindliche Seele mütterlich berühre, weil sie als Kind noch im Kraftfeld der Mutter sind. Wenn sie erst mal ins Kraftfeld des Vaters geraten, ist es sehr schwer, sie zu erinnern. Wenn ich also zu jemanden sage: „Nun fahren Sie doch mal durch die neuen Länder, da kriegen sie das Kinn nicht wieder hoch vor Staunen, wie es mir gestern in Bad Saarow  erging, vor 10 Jahren Ruine, Elend, heute wunderschön. Ich bin gestern den ganzen Tag nur immer mit einem Ohhhh durch Bad Saarow gelaufen. Meine Frau sagt schon immer: „Wunder‘ nicht so viel“!

Was ich möchte ist, den Menschen wieder in seiner kindlichen Seele erreichen, damit er sich wieder wunden kann, damit er wieder dankbar sein kann, damit er wieder achtsam ist.  Das heißt nicht, dass er dann unkritisch werden soll. Es gibt selten kritischere Wesen als unsere Kinder. In den Märchen sind es meistens die Kinder, die die Aufschneider enttarnen. Aber es ist das Kindliche in uns, das pflegt, das liebevoll der Welt entgegen tritt.

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