Lieber Papa, ich nehme Dich, wie Du bist, auch das, was ich bisher für schmutzig an Dir hielt, oder: Warum wir Krieg führen gegen das Schönste, was es gibt, die Lust und die Liebe, oder: Über die homöotherapeutische naturheilkundliche Therapie der Pollinosen.
Abwehren heißt: nicht hereinlassen. Der Gegenpol der Abwehr ist die Liebe.
Allergie: Die Allergie ist eine Überreaktion auf einen als feindlich erkannten Stoff. Wie im militärischen Bereich Hochrüstung immer ein Zeichen starker Aggressivität ist, so ist auch die Allergie Ausdruck starker Abwehr und Aggressivität, die in den Körper verdrängt wurde. Der Allergiker hat Probleme mit seiner Aggression, die er allerdings bei sich nicht erkennt und deshalb meistens auch nicht lebt. Bei der Allergie ist die Aggression aus dem Bewußtsein in den Körper gestürzt und tobt sich nun hier aus: Es wird nach Herzenslust verteidigt, angegriffen, gekämpft und gesiegt. Blütenpollen sind ein Befruchtungs- und Fortpflanzungssymbol, sowie ja auch der „reife“ Frühling jene Jahreszeit ist, unter der die Heuschnupfenkranken am meisten „leiden.“ Tierhaare wie Pollen als Allergen zeigen uns an, daß die Themen „Liebe“, „Sexualität“, „Trieb“ und „Fruchtbarkeit“ stark mit Angst besetzt sind und deshalb aggressiv abgewehrt, d.h. nicht hereingelassen werden. Ganz ähnlich ist es um die Angst vor den schmutzigen, unsauberen, unreinen bestellt (Hausstauballergie- Hausstaubmilbe LM 6, Firma Arcana). Die meisten Allergene sind Ausdruck von Lebendigkeit: Sexualität, Liebe, Fruchtbarkeit, Aggression, Schmutz – in all diesen Bereichen zeigt sich das Leben in seiner vitalsten Form. Doch gerade diese nach Ausdruck drängende Lebendigkeit flößt dem Allergiker große Angst ein. -–Er ist letztendlich lebensfeindlich eingestellt. Sein Ideal ist das sterile, keimfreie, unfruchtbare, von Trieben und Aggressionen befreite Leben – ein Zustand, der die Bezeichnung „Leben“ kaum mehr verdient. So ist es auch kaum erstaunlich, daß sich die Allergie in manchen Fällen bis zu lebensbedrohlichen Auto-Aggressionskrankheiten steigern kann, in denen der Körper von ach (!) so sanften Menschen so lange wilde Schlachten liefert, bis er daran selbst zugrunde geht. Dann hat das Wehren, das Sich-Abschließen und Sich-Abkapseln die höchste Form erreicht, die ihre Erfüllung im Sarg findet – eine echte, allergenfreie Kammer...
Liebe Leserinnen und Leser,
da ich selbst zu so wunderbaren Worten und Bildern leider noch nicht fähig bin, habe ich zur Einleitung meines kleinen Erfahrungsberichtes zum Thema Pollinose diese so ausdrucksstarken und weisen Worte aus dem auch heute noch hochaktuellen und konkurrenzlosen Buch „Krankheit als Weg“ von Thorwald Detlefsen und Rüdiger Dahlke gewählt. Dieses Buch, das in der Zwischenzeit seit seinem Erscheinen einige wenige gute, aber viele schlechte Nachfolger erhalten hat, steht immer noch und wahrscheinlich auch für alle Zeit, wie ein leuchtender Stern am Himmel der psychosomatischen Medizin. Für mich wie für viele von uns war und ist dieses Buch Initiation gewesen und immer noch unverzichtbarer tagtäglicher Helfer. Beiden Autoren tiefen Dank dafür (wir haben als Fachverband die große Freude, am Sonntag, den 11. Oktober 1998, Dr. Rüdiger Dahlke, den Mitautor dieses Buches, unserer Kollegenschaft präsentieren zu können). Jedes dieser Worte und Bilder durfte ich in nun 17 Jahren praktisch-therapeutischer Erfahrung mit dem Thema Pollinose, zuerst natürlich mit mir und dann bei meinen Patienten als zutiefst wahr, richtungsweisend und therapeutisch umsetzbar, sprich wirksam, erleben. Auch meine Pollinose, wie vieles andere, was ich nicht sein wollte, was mein Vater war, wurden z.B. von dem großen homöopathischen Heilmittel Medorrhinum geheilt (inzwischen mein wichtigstes zentrales, in der Praxis bewährtes Heilmittel gegen Pollinose spricht für pollinosekranke Menschen, Thema: Ablehnung des sykkotischen, lauten, überlaufenden, dyonisischen, trinkenden, schmutzige Witze erzählenden Vaters). Wer diese Prinzipien ablehnt, meistens vom Vater vorgelebt und von der Mutter dem Kind gegenüber als schlecht, schlimmstenfalls als schmutzig ins Hirn transplantiert, wird auch, s. Einführung, diesem aus voller Lebendigkeit über uns herfallenden, in unser Leben einbrechenden Frühling, der die Luft erfüllt mit Wolken von Sexualsekreten, ängstlich, wenn nicht sogar feindlich und abwehrend gegenübertreten. Liebe Mama, so wie der Papa werde ich nicht, Dir zuliebe. Hier kann Medorrhinum helfen, ja zu sagen zum Vater und zum Vater in uns, zum männlich-ejakulativ-kraftvollen, zum Fruchtbaren in uns und der Welt überhaupt.
Das zweite bewährte große homöopathische Mittel, das in der Tiefe bisher die meisten Erfolge in der Erkrankung pollinosekranker Menschen gezeigt hat, ist Arsenicum album – bei vorstechender Atemsymptomatik Ars. jodatum. (Dr. Wilhelm Reich: „Dem Asthmatiker steckt der Phallus im Hals.“) Bei Arsen ist es eher der strenge, übermoralische, die Lust des Kindes bestrafende Vater, der den Prozeß in die Krankheit verursacht und hier muß das Arzneimittelbild helfen, die Glaubenssätze, wenn ich meine Sexualität lebe, bin ich schuldig und schmutzig, zu verwandeln in Glaubensssätze wie: Ich vesrtröme mich in meiner Sexualität frei und lustvoll, bin reich und rein. Medorrhinum und Arsenicum album, sprich jene Mittel, mit denen ich schon vielen, vielen Pollinosekranken bei den eben erwähnten Hintergründen helfen konnte, heil und frei zu werden (Lieselotte Baertz, Dozentin für Meditation und Geisteswissenschaft an der SHS: „Freiheit heißt, daß alles möglich ist, wir aber auch alles lassen können.“)
Die wichtigsten akuten Mittel, weil, wie wir ja alle wissen, der chronische Prozeß seine Zeit braucht (der Weg des Heilwerdens dauert oft mindestens so viele Monate, wie der Prozeß des Krankseins bestand) ist Allium cepa (Küchenzwiebel), in fast 80% aller akuten Pollinoseerkrankungen, eine Zahl, die ungefähr in ihrer Größenordnung auch von Großmeistern wie Vithoulkas (wie die Nase des Mannes, so der Johannes) bestätigt wird: Niesen bei Eintritt in ein warmes Zimmer, reichlicher wässeriger, reizenden Schnupfen. Fremdkörpergefühl an der Nasenwurzel. Tränen brennen, aber machen nicht wund. Leitsyptom: scharfe Nase, milde Tränen. Die Augen sind sehr lichtempfindlich. Absteigender Katarrh zum Larynx hinten mit wundem Gefühl und Heiserkeit, abgehackter Husten beim Einatmen kalter Luft. Wenn Medorrhinum und Ars. album die wichtigsten chronischen Mittel sind, so sind Allium cepa und Ars. jod. in meiner Praxis die wichtigsten akuten Heuschnupfenarzneien. Ohne Probleme (mögen unsere verehrten orthodoxen Kollegen nicht zu böse auf mich sein) kann man z.B. bei einer vorherrschenden medorrhinischen Problematik Medorrhinum LM 60, 2 x wöchentlich 2 Tropfen (oder kräftig an der Flasche riechen) verordnen und dazu im akuten Anfall z.B. bei zutreffender Symptomlage Allium cepa C 30, halbstündlich 1 Tropfen oral oder kräftig den Duft der Arznei einatmen. (Vor jeder Anwendung, ob einnehmen oder riechen, die Flasche immer kräftig 10 x schütteln). Weitere bewährte Arzneimittel für den akuten Zustand (genauer s. bitte nochmals ein wunderbares Buch, was ich Euch empfehlen möchte, tagtäglich in der Praxis oft angewandt und hoch bewährt, Lehrbuch der Homopathie Bd. II, Gerhardt Köhler, Hypkrates-Verlag oder Bewährte Indikationen in der Homöopathie , Norbert Enders, Haupt-Verlag), Kalium jodatum Aralia recemosa , Dulcamara, Sabadilla, Euphrasia ,Sinapis nigra, Sticta pulmonaria, Arum triphyllum, Sanguinaria arundo, Carbo vegetabilis, Jodum, Lachesis, Natrium sulf., Silicea. Frau Dr. Immhäuser, ebenfalls im Köhler beschrieben, empfiehlt besonders für Kinder (habe ich keine eigenen Erfahrungen mit) die Herstellung einer Eigenblutnosode.
Generell ist zu sagen, daß natürlich bei jedem unserer Patienten, ob er Pollinose oder sonst irgendeine Erkrankung hat, immer eine große, sich an den Gesetzen der Homöopathie, des Prozesses, des systemischen Wissens, und der seelsorgerlichen Gesetzmäßigkeiten orientiertende Anamnese stattfinden muß. Jedes Mittel, - es gibt auch Pollinose ohne Probleme mit dem überpotenten Vater zu haben - das nach den Gesetzmäßigkeiten der Hom. gewählt worden ist, kann auch Polinose bzw. pollinosekranke Menschen heilen. Weitere, in 17jähriger Praxis häufig bewährte Maßnahmen zur Begleitung der immer stattfindenden homöopathischen Therapie sind (wenn entweder warum auch immer das rechte Mittel nicht wirken will oder die Beschwerden des Pat. so massiv sind, daß wir entscheiden, daß zusätzliche Maßnahmen vonnöten sind) Entscheidungshilfen, ob direkt bei der Mittelfindung oder auch ob zusätzliche Maßnahmen außerhalb von Homöopathie noch nötig sind, können z.B. kinesionologische Testungen sein (Infos darüber bei unserem, Kollegen Ofir Touval, Tel.: 030-665 09 393) und unserem Schulmitarbeiter Michele De Vivo, Tel.: 030-813 55 44):
01. Propolis Urtinktur (Firma Hanosan ), 30 ml + 2 Tropfen Pollen LM 6 + 2 Tropfen Acidum fornicicum LM 6). Prophylaktisch einzunehmen ab 6 Wochen vor Ausbruch der bekannten Pollinosesymptome, 3 x täglich 15 Tropfen. Im akuten Zustand bis stündlich 10 Tropfen einnehmen, bei Besserung der Symptome wieder auf 3 x 15 zurückgehend. Diese bewährte Empfehlung, hat zumindest einen stark lindernden Effekt (was ja schon eine ganze Menge ist angesichts der vielen erfahrenen heuschnupfenkranken klassischen Homöopathen, die man im Frühjahr und Sommer immer auf den Kongressen trifft). Meiner Erfahrung nach kann man diese Kombination ohne Probleme auch während einer sich am Prozeß orientierenden konstitituonellen Behandlung der klassischen Homöopathie anwenden, solange dies dann nötig ist.
02. Eine weitere Zusatzbehandlung der Pollinose, die ich in meiner vor-homöopathischen Zeit helfend kennenlernen durfte, als ich mich noch nicht durch eigenes Damaskuserlebnis zur Homöopathie bekehrt, noch hauptsächlich mit antroposophischer Medizin beschäftigt hatte, ist die Gencydo-Therapie (Firma Weleda). Nachdem ich mich damals mit der Injektion besagten Präparates versucht hatte, bin ich durch einen Kollegialen Tip dann ausschließlich zur Inhalationstherapie übergegangen. Ich lasse Gencode-Ampullen 5%ig, 7%ig, täglich über einen Microinhalator (Siemens oder Pari) inhalieren. Morgens 1 Amp. bei Bedarf öfter. Bei Beschwerden der Augen steht uns auch Gencyo als Augentropfen (vgl. Euphrasia-Augentropfen, Wala Conjuctisan B-Augentropfen) oder bei zusätzlichen Beschwerden der Nase Gencydo-Nasensalbe. Infos über die Mommsen-Apotheke (Tel.: 030-883 52 48), die Euch bei Bedarf sowieso mit Infos über alle hier beschriebenen Präparate und die Präparate selbst versorgt oder direkt bei der Firma Weleda – oder bei mir.
03. Oft waren die hier bisher aufgeführten Anwendungen auf alle Fälle zum Beginn der Therapie und besonders beim Vorherrschen der asthmatischen Komponente nicht gleich ausreichend, so daß doch viele Patienten dann zu meinem Bedauern (aber solange es nötig ist, sollen sie es auch ruhig tun) zu allopathischen Palliativmaßnahmen greifen mußten. Auch hier kam Lösung und Hilfe durch den Rat eines erfahrenen alten Kollegen. Die Hilfe, nun seit Jahren auch bewährt von mir angewandt, lautet: (macht fast jede Allopathica incl. Cortison überflüssig): Eigenurin. In leichten Fällen reicht, ihn regelmäßig zu trinken, aber gerade bei den schweren asthmatischen Formen ist seine Injektion ein Segen. Ich nehme diese (aber nur wirksam, wenn der Pat. heftige Beschwerden hat - prophylaktisch leider unwirksam - wie folgt vor: Wenn der Pat. mit seinen hochakuten Beschwerden in seine Praxis kommt, lasse ich ihn Urin lassen. Hiervon ziehe ich anfänglich 1 ml in eine 5 ml-Spritze auf. Dazu (vorab durch Testung Allergie ausschließen) ziehe ich 0,5 bis 1 ml 1%iges Procain (manche Kollegen empfehlen noch den Zusatz von 1 ml Acidum formicicum D 6 oder D 12. Nachdem die Stoffe in die Spritze aufgehoben worden sind, stecken wir vorne einen Augentropfenbakterienfilter auf (ebenfalls Infos Mommsenapotheke) und dann entsprechende Kanüle. Diese Mischung wird bei Bedarf täglich wechselseitig i.m.. injiziert. Bei mir hat es sich bewährt, die Eigenurinmenge mit jeder Spritze um
0,5 l Eigenurin zu erhöhen. Meistens reichen 5 Injektionen aus, um den Patienten soweit beschwerdefrei zu machen, daß wir dann ausschließlich mit homöopathischer Behandlung zum Erfolg kommen. Selbst bei schwersten asthmatischen Erscheinungen (selbst wenn das Asthma nicht pollenallergisch bedingt ist, haben wir meistens mit maximal bis zu 10-20 Injektionen immer deutliche Erfolge erzielt.
Abschließend möchte ich natürlich noch darauf hinweisen, daß bei jeden Allergiker (eigentlich bei jedem Chronischkranken) immer abgeklärt werden muß, ob bei ihm eine Lebensmittelallergie vorliegt (kinesiologischer, radiästetischer, oder Bluttest) und dementsprechend darauf diätetisch-ernährungsmäßig reagiert werden muß. Weiter sollte immer durch Testung herausgefunden werden, ob eine Störung der Darmsymbiose vorliegt (dementsprechend Darmsanierung - Symbiosetherapie, Mutaflor, Symbioflor, man sollte auch an die bewährte russische Therapie mit kaltgepreßtem Sonnenblumenöl denken: 2 x täglich 1 Teel. kaltgepreßtes Sonneblumenöl 10 Min. im Mund kräftig kauen und durch die Zähne ziehen.
In seltenen Fällen mußte ich auch neuraltherapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn Störfelder die Ursache der Beschwerden sind. Auch habe ich inzwischen einige Patienten erlebt, denen ich im akuten Anfall durch die von mir sehr geschätzte und auch am eigenen Leibe als sehr heilsam wirksame erlebte craniosacrale Therapie sehr gut helfen konnte.
Ich hoffe, mit dieser kleinen Zusammenfassung, um die ich von vielen Seiten gebeten worden bin, habe ich Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen, ein paar vielleicht Eure Arbeit unterstützende Tips gegen dürfen. Ich würde mich über feed-back und Anregungen aus Eurer Erfahrung riesig freuen.
Das Leben haßt jedes Schema, aber mit Schema geht‘s bequema – frei nach J. Becker.
The process is never ending – Traumworte A. Krüger.
Aloha, freudige Nasen, einen angenommenen Frühling und ein kraftvolles „Vater, ich gebe Dir die Ehre“ wünscht Euch
Euer Andreas