HEILPRAKTIKER WERDEN IST NICHT SCHWER.... !? HEILPRAKTIKER WERDEN IST DOCH SCHWER!!!
Interview mit demSchulleiter der SHS Andreas Krüger zur Ausbildungsssituation in Berlin
(erschienen in KGS 11/97)
Frage: Die letzte Überprüfung zum Heilpraktiker brachte ein überraschendes und niederschmetterndes Ergebnis: Über 90% Durchgefallen. Was sagt das dem Schulleiter der “Samuel-Hahnemann-Heilpraktikerschule”?
KRÜGER:
Mir sagt das folgendes: In den letzten Jahren, bei sehr unterschiedlich schweren Prüfungen, sind viele, viele Anwärter durchgekommen, die für unseren Berufsstand nicht nur eine Bereicherung darstellten, sondern durchaus auch eine Gefahr. Nämlich daß unser Berufsstand tot ausgebildet wird, wenn ich das mal so sagen darf. Daß furchtbar viele Leute sich Heilpraktiker schimpfen, die schlecht ausgebildet sind, unqualifiziert sind, die zwar nie in ihren Praxen überleben werden, aber bis sie endlich einsehen, daß sie lieber doch auf andere Berufe ausweichen sollten, können sie eine Gefahr für die Volksgesundheit sein. Und sie sind eine Gefahr für den Beruf des Heilpraktikers. Wenn ein Mensch ein, zwei Mal einen schlechten Heilpraktiker erlebt hat, dann wird der sagen, die Heilpraktiker sind schlecht. Er wird nicht danach fragen, wo dieser denn ausgebildet wurde. Jetzt sieht die Situation zum Glück anders aus. Wir haben harte Überprüfungen. Man kann sich darüber streiten.... Das kann man sich bei jeder Prüfung, ob sie gerecht oder ungerecht ist. Aber sie ist zehnmal gerechter als all das, was früher in Bezirkswillkür stattfand. Bei dieser Überprüfung fallen im Augenblick fast alle durch. Und das zeigt, wie verheerend die Ausbildungssituation in Berlin ist.Wenn 93% aller Bewerber durchfallen, dann muß man sich einfach fragen, wie sind diese Leute ausgebildet worden. Und es tut mir tatsächlich um viele leid, die von unseriösen Ausbildungsinstituten in eine Ausbildung hineingetrieben werden, wo im Grunde von Anfang an klar ist, daß die weder der Amtsarztüberprüfung noch dem beruflichen Alltag gerecht wird. Es tut mir leid, wenn diese Menschen durchfallen.
Andererseits freut es mich natürlich besonders, wenn ich sehe, daß von unseren Schülern über 70% diese Prüfung bestehen. Auch sie haben gestöhnt über diese Überprüfung. Auch sie haben nächtelang nicht geschlafen. Aber sie haben sie zum großen Teil geschafft. Von der Seite her ist die Überprüfungssituation sehr viel gerechter. Sie zeigt einfach, daß eine harte, fordernde, manchmal sogar etwas quälende Ausbildung der einzige Weg ist, um das Wissen zu kriegen, was wir vorm Amtsarzt belegen müssen und erst recht dann in der Praxis brauchen.
Frage:
Die Frage, lohnt es sich noch, sich zum Heilpraktiker ausbilden zu lassen, würde sich also insofern beantworten, wenn man gut ausgebildet ist, wie Du sagst. Dennoch frage ich: Lohnt es sich noch, Heilpraktiker zu werden?
KRÜGER:
Ohne Zweifel: JA.Der Beruf des Heilpraktikers ist ein wunderbarer Beruf, der einen tief befriedigt, der einen beschenkt, der einen selbst verwandelt,der einen, wenn man ihn ordentlch macht, noch mit bescheidenem Wohlstand ausstattet. Und ich wünsche vielen jungen Menschen, daß es Ihnen so gut geht wie es mir heute gut geht. Was ich ergänzen möchte zum Thema Ausbildung: daß es nicht nur, um nahcher Erfolg zu haben, auf das Basiswissen ankommt, mit dem wir die Heilpraktikerüberprüfung bestehen, und daß auch nicht alle von uns, die die Heilpraktikerprüfung bestehen, gute Heilpraktiker werden. Sondern daß es da noch einen ganz zentralen Punkt gibt, der mir auch sehr am Herzen liegt, nämlich der eigene Werdeprozess, die eigene seelische Morgenlandfahrt des Therapeuten, wie wir immer sagen. Die eigene Therapie des Therapeuten. meine Erfahrung ist, daß eine fundierte Ausbildung Grundvoraussetzung ist, die Heilpraktierüberprüfung zu schaffen, Grundvoraussetzung ist, alles zu wissen, um unseren Patienten nicht zu schaden, und daß dazu eine gute fachspezifische Ausbildung in den Therapiemethodenkommen muß: Homöopathie, Akupunktur, u.s.w. Übrigens bieten wir die meiste Stundenanzahl in Homöopathie an, mit fast 1000 Stunden in drei Jahren. Darüberhinaus dieser dritte Punkt: ein Therapeut kann einen Patienten nur soweit führen, wie er auf seinem eigenen Weg des Heilerwerdens gegangen ist. Ein Therapeut kann nur so viel tragen von der Last seines Patienten, wie er auch seine eigene Last kennengelernt und getragen hat. Das heißt: Charakterbildung, Seelenschulung, Selbsterfahrung. Heilung der eigenen Seele. Heilung der eigenen Narben, Kennenlernen der eigenen Teilpersönlichkeiten. Dieses Letzte ist, um ein erfolgreicher Heilpraktiker zu werden, mindestens genau so wichtig wie gutes klinisches Grundwissen, gute fachspezifische Ausbildung. Diese Trias: Selbsterfahrung und Heilung, fachspezifisches Wissen und klinische Grundlagen, das sind heutzuztage die Voraussetzungen, um ein guter und erfolgreicher Heilpraktiker zu werden. Ich sehe es ja: zum Beispiel Leute, die ganz viel wußten und Homöopathie konnten und alles konnten, die dann in ihrer Praxis saßen und keiner kam. Weil einfach ihre persönliche Ausstrahlung, ihre ganzen Verklemmungen und Neuröschen ihre Kraft gebunden hatten, daß kein Mensch ihnen zugetraut hätte, daß sie ihn gesund machen können. Und dann habe ich diese Leute erlebt, entweder in Therapie bei mir oder in Therapie bei anderen Kollegen, in der Supervision, wie sie ihre eigenen Probleme bewältigen konnten, wie sie ihre eigenen Schatten erst mal sehen konnten, um sie dann irgendwann mal anzunehmen. Und mit einem Mal füllte sich ihre Praxis. Und ich sehe es sogar bei mir noch, nach 15 Jahren, daß, wenn es mir schlecht geht, wenn ich eine Krise haben, wenn ich selbst in einem psychischen Problem stecke und nicht weiterkomme, mit einem Mal weniger Leute zur Erstordination kommen. Und wenn ich dieses Problem dann mal überwunden habe, gelöst habe, klingelt wieder das Telefon. Wir leben vernetzt in wissenden Feldern. Und über das wissende Feld erfährt jederPatient unbewußt, welcher Therapeut so weit ist, um ihn zu führen, und welcher in seinem eigegen Prozess noch so verstrickt ist, daß er mich in meinem komplizierten Prozess überhaupt nicht führen kann.
Frage:
Was würdest Du, diese letzte Frage haben wir auch schon früher gestellt, einem, der entschlossen ist, Heilpraktiker zu werden, und jetzt auf die Suche geht nach einer Ausbildungsstätte, raten?
KRÜGER:
...daß er sich alle Schulen anguckt. Mehrmals Probeunterricht macht. An der Samuel-Hahnemann-Schule ist das so oft und so häufig möglich, wie er will. Daß er mit den Lehrern spricht, daß er sich die Prospekte gut durchliest, daß er sich die Verträge gut anschaut, Knebelverträge erkennt, zum Beispiel anhand der Kündigungsbedingungen... Daß er guckt, für wieviel Geld kriege ich wieviel Stunden Unterricht. Die billigste Schule muß nicht die preiswerteste sein. Daß er fragt, ob er auch mal mit Schülern sprechen kann, die von dieser Schule gekommen sind und jetzt draußen in der Praxis. Jeder Bewerber für unsere Schule wird im Büro gern darüber Auskunft bekommen. Daß er sich, was ganz wichtig ist, erkundigt, wo die Leute das gelernt haben, was sie lehren. Ob die Leute, die den Unterricht machen, auch wirklich erfahrene Kollegen in diesen Fächern sind. Und er sollte ruhig auch mal fragen, wieviel Leute denn aus dieser Schule die Amtsarztüberprüfung geschafft haben. Denn ohne die bestandene Überprüfung wird er nicht die Chance kriegen, nachher in der Praxis zu scheitern.