DAS ARZNEIWESEN VON BUFO RANA: DIE KRÖTE, vorgestellt von Hp ANDREAS KRÜGER auf dem HOMÖOPATHISCHEN SONNTAG

 

(fleißig aufgeschrieben und zusammengefaßt von HpA Angelika LEX und Hp Marion RAUSCH)

(erschienen in BHN 3/99)

 

ES ist ein Thema, worauf ich mich schon Monate freue, worüber ich gerne rede. Die Menschen, die mit diesem Thema zu tun haben, sind mir sehr sehr liebe Menschen, und ich konnte gerade mit diesem Mittel einigen Menschen helfen, nun nicht irgendwie was BESONDERES zu werden, sondern  ihren Zustand, IHRE ART DES SEINS, zu leben, mehr oder minder anzunehmen.

Ich weiß gar nicht, bei welchem Vortrag des war. Ich glaube irgendwann einmal hier in einem Kurs, wo wir uns ein paar Gedanken darüber machten, was denn überhaupt Krankheit und Heilung ist. Und wir haben da so in die Richtung geredet, daß das ja heutzutage ziemlich schwer ist zu beurteilen, du bist krank und du bist gesund.

Ich habe gestern in Baden-Baden einen Vortrag halten dürfen über Heilkunde und Magie, und da bin ich auch so in die Thematik eingestiegen, ja – wie ist das denn. In Indien kriegt jemand mit 4 Jahren erstmalig Shiva-Beiwohnungen, wälzt sich irgendwie mit errigiertem Penis auf dem Dorfplatz, singt laut und ekstatisch Omni Yashi Ava, fängt an, Blut zu schwitzen, etc, etc. Ganz normale Beschreibung der ersten Initiation von Rama Krishna, nachzulesen im wunderschönenn Buch von Roman Loran.

In Indien wird dieser Mensch hoch geehrt. Man wird Bramanen herbeiholen, die ihn schulen und man wird, wenn diese Gottesbeiwohnungen bleiben, ihm spätestens  mit 12 einen Tempel bauen, und er wird ab 20 durch die Weltgeschichte ziehen und wie Ammagji.... Da war es nicht viel schlechter als bei Rama Krishna, und dann wird man wie Ammagie in zig Orten jedes Jahr in Europa auf einem wunderbaren Sessel sitzen und jeden Abend Tausende von Leuten im Darshan umarmen. So geht es dir, wenn du in Indien solche Erscheinungen hast.

Wenn du in Deutschland solche Erscheinungen hast, fangen sie dich weg, bringen dich in die Jugendpsychiatrie, packen dich voll Haldol. Wenn du den Pfarrer noch erwischst, weil du denkst, der hat doch mit Göttern was zu tun, dann schickt der dich gleich wieder zum Psychater wegen religiöser Psychose, und wenn du nicht gerade an die Samuel-Hahnemann-Schule kommst zu einem, der dann vor dir sitzt mit offenem Mund, kindlich staunend, (ist ja in der Samuel-Hahnemann-Schule Grundhaltung, so etwas bufisch, wenn es besonders spannend wird, fangen wir auch noch an zu speicheln), der dir sagt:“ ooooh, und was hat Shiva noch gesagt?“

 

Aber nun kommen ja nicht alle Ärzte von der Samuel-Hahnemann-Schule. Die meisten hören Shiva, wissen gar nicht, was das ist und denken auf alle Fälle irgendwas Schweinisches und geben die adäquaten Medikamente, und wenn du erstmal 4 Wochen Haldol im Hirn hast und halbwegs sensibel bist, dann brauchst du schon ein halbes Jahr, um halbwegs wieder runter zu kommen. Meist lassen sich die Götter auch nicht in einem halben Jahr verscheuchen, auch nicht mit so einem Beruigungsmittel, und wenn dann der Gott nach einem Dreivierteljahr wiederkommt, bist du wieder in der Jugendpsychiatrie.

 

Also ein Grund dafür, warum es in Deutschland so wenig Heilige gibt, die sind alle in der Psychiatrie.  Ich denke, wir haben in deutschen Psychiatrien mehr heilige Menschen als in deutschen Klöstern. Und das ist ein großes Problem, und deshalb hab ich immer so Schwierigkeiten, wer ist denn nun eigentlich gesund und wer ist denn nun eigentlich durchgeknallt. Weil viele von den  Durchgeknallten sind scheinbar viel gesünder, als wir angeblich nicht Durchgeknallten, und das geht über ganz viele Bereiche so. Das geht auch im Bereich der Sexualität so. Wer ist denn gesund? Der mit „2 x die Woche schadet weder dir noch mir, macht  im Jahr 104“, wie Luther sagt?.,.. und 30 Jahre mit dem gleichen? Ist der gesund? Wenn er sich wohlfühlt, würde ich nie anzweifeln, daß das o.k. ist. Meine oberste Prämisse ist das subjektive Wohlbefinden des Patienten.

 

Aber wenn einer kommt und sagt Herr Krüger, ich hab die Wahnidee, ich bin ein, (ihr wißt mein Lieblingstier), ich bin ein Bonobo und irgendwie habe ich das Gefühl, ständig muß ich, wenn ich auf irgendjemand sauer werde, ihn nicht verhauen, sondern meine Geschlechtsöffnung mit ihm reiben, Herr Krüger, geben sie mir doch mal was, das ist ja ganz furchtbar.... Dann muß ich ehrlich sagen, daß ich mich schwer tue, diesen Menschen einfach mal jetzt so zu behandeln und eigentlich eher wissen möchte, wo da sein Problem liegt, weil spätestens durch die Erforschung der Bonobos weiß ich, daß Sexualität als Mittel zur Aggressionsverhütung scheinbar viele, viele hundertausend Jahre völliger adäquater Bestandteil unserer Existenz war. Und meine Erfahrung ist, daß die meisten Menschen, und da sind wir schon dick im Bufo-Thema, die unter heftigen sexuellen Impulsen leiden, nur deshalb dadurch leiden, weil sie ja nicht wissen, in dieser Gesellschaft, wohin damit, oder weil Ihnen Vater, Mutter, Frau, Mann, Freundin ständig erzählt, (gerade Sonntagmorgen ist so ein herrlicher Part dafür):

„Wie läufst du denn schon wieder durch die Wohnung, diese Latte kann ich einfach nicht mehr sehen, ist mir einfach unangenehm, kriege ich Würgegefühle wenn ich das sehe, geh doch mal duschen!“ ... Der arme Kerl hat nichts anderes als seine völlig physiologische Sonntagmorgenerektion.  Ist der krank? Muß der jetzt ein Mittel kriegen für unwillkürliche Erektion Sonntagmorgen? Der der Kneipp-Mensch würde ihm wahrscheinlich empfehlen, einen Eisbottich in das Bett zu legen und sofort eine kneippsche Abkühlung bei Erwachen vorzunehmen. Da kommen wir echt in Schwulitäten, wie der Berliner sagt.

 

Bonobos (Zwergschimpansen) kopulieren stündlich. Es sind die uns am nächsten stehenden Primaten. Ein Satz, für die, die meine lieben Bonobos noch nicht kennen: Die Bonobos sind die einzige bekannte, wirklich völlig aggressionsfreie Primatengesellschaft, und ihr Haupttrick, Aggressionen nicht aufkommen zu lassen, ist, daß sie sich ständig und mit großer Freude gegenseitig sexuell befriedigen, stimulieren und mit sich umgehen. Also wenn 2 Bonobos Ärger miteinander haben, schlagen sie sich nicht, sondern sie machens miteinander. Danach ist es gut.

 

Ja, so ist es mit Sexualität, so ist es mit Spiritualität, so ist es oft mit Kraft, z.B bei den Patienten mit gewissen medorrhinischen Anteilen, denen man ständig sagt: sei nicht so laut, mach nicht so viel, rülps nicht, na gut, rülpsen, darüber kann man noch diskutieren, oder faß dir nicht immer an die Genitalien...

Also diese Frage, wer ist eigentlich der Kranke, was ist eigentlich das Kranke, was ja für uns Homöopathen gar nicht so furchtbare Folgen hat, für andere Methoden ja viel furchtbarere Folgen hat, das stellt sich mir jedenfalls besonders, weil sichs wahrscheinlich auch mir gegenüber immer wieder stellt, wenn ich mich mit Mitteln wie Bufo auseinandersetze.

Wir Homöopathen haben ja nun das große Glück, wenn wir halbwegs vorsichtig mit unseren Arzneien umgeben, daß wir ja halbwegs nicht manipulativ oder unterdrückend wirken, sonst könnte ich diese Methode überhaupt nicht anwenden. Also das, was ich an ihr eigentlich noch besser finde, wie – was sie alles macht -  ist, was sie alles nicht macht. Also am schönsten finde ich an der Homöopathie das, was sie alles nicht macht. Das Wichtigste, was sie nicht macht, wenn ich sie halbwegs ordentlich anwende, ist, daß sie nicht unterdrückt. Natürlich kann ich, wenn ich jemand  Agnus Castus, wie früher in den Klöstern üblich,“ 3 x täglich auf die Rute steue“ (Gallavardin),  übermäßigen Sexual- und Sauftrieb behandeln, ich kann damit verhindern, daß er noch mal irgendwann erektiv unangenehm auffällt. Das ist möglich.

Anderes Beispiel: wenn ein Mensch kommt und sagt, Herr Krüger, unangenehm, ständig dieses Gefühl, egal wen ich sehe, ich muß hopsen . Ich gebe ihm ein bißchen Literatur und ein paar Hopsadressen und versuche einfach mit ihm zu reden, wie er denn mit diesen Impulsen umgehen kann und geb ihm dann Bufo rana, LM 1 meinentwegen und der kommt nach 4 Wochen wieder und sagt, Herr Krüger, ist ulkig, so während des Tages und im Supermarkt sind diese Impulse tatsächlich weniger geworden, aber dafür habe ich mich jetzt angemeldet im „Zeck, Eros, Trampolinspringen und geistige Entwicklung“, und da freue ich mich schon sehr drauf,“....Wenn der Patient das erzählt, dann weiß ich, daß ich hier wahrscheinlich nichts unterdrückt habe, sondern einfach einen Kanal geöffnet habe oder geholfen habe zu öffnen, daß der sein Verlangen nach Sex, Trampolinspringen und spiritueller Entwicklung an einem behüteten Ort auf die Reihe kriegt. Darum geht es mir, daß ein Mensch, so, wie er ist und so, wie er gemeint ist, einen Ort findet, wo er sich nach dieser, ja nach diesem Gemeintsein frei und kreativ und glücklich entwickeln kann und nicht, daß er werden soll a) wie ich mir das vorstelle, oder b) wie sich das irgendeine Gesellschaft vorstellt.

 

Auch wenn das sonst nicht mehr so stark in meinem Leben ist, aber auf dieser Ebene bin ich ein therapeutisch radikaler Anarchist und dazu stehe ich auch.

Bei Bufo wird es euch, um so verklemmter ihr seid, am schwersten fallen, an diese Worte zu denken, weil der Bufo-Patient gerade auf den verklemmten Therapeuten etwas sehr Beängstigendes ausstrahlt, weil er ihn natürlich an alle seine Verklemmungen erinnert. Da können einen schon Ängste anhüpfen. Das „Hüpfen“ ist bei Bufo was ganz Zentrales. Witold hat uns sehr geehrt,  er hat gesagt, er hat das Melken der Kröten auf nächstes Jahr verschoben, um hier unserem Bufo- Tag beizuwohnen. Wir sind gut in der Bufo-Zeit, weil wir jetzt in der Krötenwanderung sind.

In der Heimat meiner Frau, im Scharzwald, sind jetzt ganz viele Straßen  gesperrt oder wenigstens mit einem großes Schild mit wandernden Kröten drauf, versehen. Und auf manchen Schildern ist auch richtig drauf, wie die eine Kröte gerade auf die andere Kröte raufhüpft. Ich glaube, die einzigen Verkehrsschilder, die ich bisher gesehen habe, wo kopulierende Wesen abgebildet sind. Das find ich einfach völlig genial.

 

Bufo-Kinder haben z.B. keine Angst vor Kröten, jedenfalls so lange sie halbwegs gesund sind. Krötenangst entsteht immer, wenn ich in die Krankheit gehe. Und jemand, der wirklich noch eine ungebrochene Hinbewegung zum wirklich tief matriarchalen Großmütterlichen hat, der hat auch keine Angst vor Schlangen oder Spinnen. Wenn diese Ängste da sind, Schlange, Spinne, Kröte, ist das ein Zeichen, daß diese ungebrochene Hinbewegung gestört ist. Zur Pulsatilla-Mutter haben wir diese ungebrochene Hinbewegung meistens noch, denn  selten rennt einer beim Auftreten einer Kuh hysterisch in eine Ecke, und eine Kuh ist bei weitem gefährlicher als eine Spinne, Das  Pulsatillahafte in deinem Frausein, das akzeptierst du noch halbwegs, aber wer z.B. wie wir Jungen damals auf einer  Klassenfahrt den Mädchen Frösche in den Pullover gesteckt haben... sie waren wirklich völlig hysterisch, sie waren so was von hysterisch. Ich weiß, ich durfte dann einen Tag nicht mit zum Ausflug...

Es ist sehr spannend, willst du wissen, wie jemand mit diesen alten matriarchalen Kräften umgeht, frage ihn nach seinen alten hysterischen Ängsten. Ich meine, alle diese Tiere, die wir hier besprochen haben, sind ja unsere tiefsten matriarchalen Archetypen, gehören alle zum großen Mutterzyklus, wobei da die Spinne schon, den tiefsten und den archaischsten Punkt, auch den Punkt darstellt, der am meisten Angst macht.

 

Wir hatten ja das tolle Erlebnis am letzten Mittwoch, mit Kurs 14 die Spinnen zu machen. Hab schon 10 x Spinnen gemacht, aber  jedesmal spüre  ich diesen leichten Schauer,  diese leichte Kälte und diese große Ehrfurcht. Also die Spinne ist schon die Reise ins Herz der Finsternis. Und das ist bei Bufo anders. Bufo macht nicht Angst insofern, als ich Angst habe, daß mich die Spinnenhorde zu Boden wirft und hemmungslos einschleimt und ich dann irgendwie wie Ghostbuster III nach Hause gehe. Umbringen tun die einen nicht. Aber wenn ich der Aranea-Mutter begegne, dann kann da schon harte Überlebensangst entstehen.

 

Also wenn wir uns den Mutterzyklus ansehen, da haben wir eben ganz am Anfang die Spinne. Da haben wir aber gleich hinterher Bufo rana. Da haben wir die Bilse, da haben wir Pulsatilla, und da haben wir eben auch,  gerade was das Aktuelle betrifft, die aktuelle Situation des Mütterlichen, ganz stark die Sepia.

 

Bufo rana, Bufo Bufo, auch klassisch für den Bufo-Menschen, besonders wenn er ein Kind ist, seine besondere Qualität des Sprechens,.......die haben so was Rundes im Sprachapparat – so Bufo, Bufo. Bei Kindern hab ich das manchmal, daß die wirklich manchmal so einen runden Mund machen. Also jetzt nicht so Graphit so ..., Graphit hat eher so ein bißchen was Breites, und bei Bufo kommt diese scheinbar  primitive Form der Sprache vor,  eher aus so einer Rundung. Der Mund wird einfach so gerundet. Wie ein Spitzmaulfrosch. Also die Sprache hat bei Bufo was Einfaches, aber sehr Unzensiertes und dann eben ähnlich wie Barium. Barium und Bufo kann man vergleichen, wenn die Sexualität nicht so dominiert oder es dem Bufo-Patienten ausgetrieben worden ist, sie zu zeigen. Dann kann der manchmal wie Barium wirken. Diese offene Gutmütigkeit, diese Naturverbundenheit und eben auch diese Speicheltendenz, die Barium hat, die finden wir bei Bufo auch.

 

Die äußerst sich manchmal darin, daß der Patient sagt, Herr Krüger, morgens ist mein Kopfkissen völlig naß. Naß und gelb, dann ist es Mercur. Bei Bufo ist das nicht das Thema der Farbe. Also Speicheln, bei Kindern haben wir es ganz oft, ach ich liebe diesen Film Starsky & Hutch. Ein unheimlich schöner Film.

Und ein anderer Film, einer der schönsten...“Forrest Gump“.Ein späterer Film mit diesem Schauspieler, in dem er  einen  Kriminalkommissar spielt, der einen Hund hat. Eine Bordeaux-Dogge. Diese Bordeaux-Dogge, die speichelt so wunderbar. Und wenn sie besonders freudig erregt ist, dann macht sie wirklich wupp, wupp. Und dann kommt ein richtiger Fladen. Da hast du wirklich zu tun, dich zu entspeicheln. Und da gibt es eine schöne Szene. Er ist einen Nachmittag nicht nach Hause kommen, und er kommt dann nach Hause, und seine Hüte sind völlig durchgemantscht, und er sagt immer, ich habe dir doch gesagt, du sollst meine Blumen nicht fressen. Und ich habe doch gesagt, daß ...u.s.w., und dann nimmt er seinen Schuh und kippt ihn so aus, und der ganze Schuh ist nur voll Speichel und dann sagt er, ich habe dir doch gesagt, du sollst nicht immer meine Schuhe einspeicheln.

 

Also z.B. auch ein Leitsymptom: Hyoscyamus erstickt fast seinen Gegner beim Küssen. Bufo und Barium speicheln einfach ein bißchen mehr beim Küssen. Aber das ist ja je nach Zuneigung durchaus völlig o.k. Können  auch eine sehr feuchte Aussprache haben, die Bufo’s. Lachesis sprüht ja eher. Ist ja eher so wie eine Sprinkleranlage auf die ersten drei Reihen. Bei Bufo geht es dann ja schon in Richtung Schleimfetzen. Wisst ihr, wie brutal man diesen wunderbaren Hunden Speicheln abgewöhnt? Hat mir Hans-Otto letztens erzählt. Dann reibt man mit Essig die Schnauze ein, und wenn die sich dann lecken wollen, weil Lecken kommt meistens vor Speicheln, dann schmeckt das natürlich total Scheiße, dann hören die auf, sich zu lecken und schlucken vor lauter Angst, sich lecken zu müssen, immer diesen Speichel runter. Also, was sich so Menschen alles einfallen lassen, nur weil sie nicht mit so ein bißchen Bordeaux-Dogge-Speichel besprüht werden wollen, dann sollen sie sich nicht solche Hunde kaufen. Sollen sie einen Tibetterrier mit durchgeschnittenen Stimmbändern kaufen, dann haben sie Ruhe und keinen Speichel. Aber wenn man sich ein so herrliches Wesen kauft und dem dann das Speicheln abgewöhnen will, also finde ich völlig pevers.

 

 

Bufo, Bufo und das was Witold heute melken wollte, war das giftige Sekret aus den Hautdrüsen. Da haben wir im Grunde auch schon ein Symptom. Hautausschläge, die sehr hornig, warzig aussehen, aber jetzt nicht einzeln sind, sondern in größere Hautflächen übergehen. In der Stadt sieht man es relativ selten. Auf dem Lande hab ich es manchmal gesehen, ältere Leute so mit ganz doll warzigen Gesichtern. Also nicht so einen Thuja-Knubbel auf der Nase, damit es jeder sieht. Sondern so richtig, daß du 20, 30, 40 Warzen im Gesicht hast. Also auf dem Land seh ich es ab und zu, so bei älteren Schwarzwäldern. Sonst verkehre ich nicht auf dem Land. Wo ich es oft erlebe, ist in Griechenland. Und mein Freund, der Reinhold, sagt, er hat auch in Griechenland öfter Bufo-Patienten, viel häufiger als bei uns.

Wir hatten ein wunderschönes Bufo-Erlebnis, als wir oben auf dem Berg waren und dann sagt er, du ich kenne hier eine wunderbare Kneipe, da müssen wir hin. Patient von mir leitet die, und dann sind wir abend noch in die Kneipe gegangen. Wir waren 3 Pärchen und davon sind eigentlich alle Homöopathen, und dann kam der Wirt rein und alle sechs, hoffentlich verstand der wirklich kein deutsch, schrieen nur, als sie ihn ansahen: Bufo!

Und Reinhold zuckte erst ein bißchen zusammen, weil irgendwie hatte er eine halbe Stunde darüber nachgedacht und dann sagte er, ja stimmt, hat er gekriegt, weil er ganz schwer mit der Prostata und Niere hatte, und Bufo hat ihm wunderbar geholfen. Dieser Mann war klein, und ich schätze ihn mal so auf Mitte 70. Hatte so ein bißchen einen vorstehenden Kopf, hatte ein bißchen so was Schalkhaftes, hatte ein völlig warziges Gesicht und ein typisches Bufo-Symptom, daß er ständig ein bißchen den Mund offen hatte. Kurz und schnell. Bei Medorrhinum haben wir dieses Speicheln auch. Bloß Medorrhinum zieht eher die Spucke.

Lachesis hat es ja auch, bloß Lachesis hat eher dieses leichte Zittern. Bei Lachesis zittert ja die Zunge und du hast bei Lachesis die Kerbe vorne drin.

 

Kinder in ländlichen Gegenden sind da ja oft noch sehr offen, und die haben erzählt, die haben im Sommer immer mit Ihnen gespielt. Sie haben sie in die Hand genommen, Kröten sind unheimlich bewegungsfreudig, also die haben nichts dagegen. Man kann die also streicheln, man kann die sich auch als Haustiere halten so in kleineren Gruppen, aber was die Kinder immer wieder gesagt hatten, sie hatten Vergrößerungsvisionen. Sie hatten das Gefühl, wenn sie eine Weile mit der Kröte gespielt hatten, die Kröte wurde immer größer. Und dann wurde die teilweise so groß, daß sie sie dann aus Angst weggelegt haben und weggerannt sind und man weiß heute, daß im Sekret der Hautdrüsen von Bufo ein Stoff drin ist, der genau das bewirkt. Daß nämlich das Tier, was dich vielleicht fressen will oder der Mensch, der dir irgendwas Böses will, das Gefühl kriegt, du wirst riesengroß und ich finde das passt auch wieder.

Der, der meinetwegen in seiner Sexualität was Böses sieht und sie unterdrückt, für den wird sie ja auch riesengroß. Also das etwas, was hier Bufo macht, es macht sich riesengroß um sich zu schützen.

 

Ein Kennzeichen von Bufo rana ist: sie ist ein nächtliches Tier, welches sich am Tag in Erdlöcher zurückzieht. Der Körper ist mit warzenförmigen Drüsen ausgestattet. Volkstümlich wurden sie benutzt um Wettervorhersagen zu machen. Man ließ sie auf Leitern steigen, (das besagte Fenstern ), man machte sie also zu Wetterkröten, zum Wetterfrosch.

 

Geschichtliches. Die Kröte wurde bei den Griechen und anderen Orten als glücksbringendes Tier betrachtet. Um zu bewirken, daß jemand vom bösen Blick getroffen, von langsam zehrender Krankheit ergriffen wird und stirbt, ohne daß jemand den Grund erkennen soll, soll man nach englischem Glauben alle Nächte ausgehen, bis man 9 Kröten gefunden hat. Diese Kröten müssen an einer Schnur gebunden miteinander in ein Loch vergraben werden, so wie die Kröten hinsterben, so verzehrt sich das Leben der Person, die man töten will.

 

Paulinus erzählt, eine Fraue in Rom wollte ihren wassersüchtigen Mann loswerden und gab ihm gepulverte Kröte, in der Absicht ihn zu vergiften. Was passierte, der Mann wurde innerhalb kurzer Zeit von seiner Wassersucht geheilt. Also Bufo rana ein großes Mittel für Wassersucht, auch in der Homöopathie. In der Volksmedizin heilt man Warzen und schweißige Hände, indem man eine Kröte in der Hand langsam sterben läßt. Noch 1829 wurde z.B. Krötenpulver in der Medizin innerlich und äußerlich angewandt, bei Blutungen, Krebs, Hautausschlägen, Aussatz und Trunksucht. Mit Krötenpulver wurde aber auch Zauberei betrieben. Hildesheimer Hexen machten sich 1521 des Verbrechens schuldig, das Pulver einigen Leuten ins Getränk getan und sie dadurch verhext zu haben.

Krötenfett war ein wesentlicher Bestandteil der Hexensalbe. Ich kenne inzwischen so viele Bestandteile der Hexensalbe, das muß ja einer Riesenbottich gewesen sein. Aber jeder Autor legt äußersten Wert darauf, daß Krötenfett drin war. Ich weiß inzwischen von Mandragora, von Hyoscyamus, von Belladonna, von Opium hab ich letztens gelesen, von Strammonium etc...

 

Das Krötenfett wurde benutzt, um Menschen blind zu machen. Man reibt Krötenfett in ein Handtuch oder sonst in Tücher ein, wo sich Menschen damit später abwischen, sprich abputzen.

 

Bufo wirkt stark auf die Genitalien, was sonst. So haben einige Frauen, die durch häufige Besuche ihrer Männer erschöpft waren, das ölige Sekret der Drüsen in Getränke und Speisen versehen, um die Männer impotent zu machen. Im Mittelalter riet man, sich vor der Kröte zu hüten, auch wenn sie den Menschen beißt, anseicht oder anpustet, entstehen an betreffender Stelle  schwer heilende Geschwüre. Kröten sind Wettertiere, begrupped – schleicht heißt das auf deutsch, e krot übern struß, heißt es in der Schweiz, ischung geregne. Also wenn die Kröte schleicht, dann muß es regnen. Paßt unser Wetter, gestern abend hatte es gegossen wie wild. Sie beißen auch oft Kühe, so daß die dann angeblich rote Milch geben.

 

Fängt man eine Kröte, kocht sie, läßt sie trocknen und gibt sie der Kuh im Sauwasser, dann wird die Kuh wieder gesund. Vielleicht auch die Kröte. Im allgemeinen herrrscht bis heute noch die Meinung, daß man Krötenlaich in Wasser trinken soll. Wenn man Krötenlaich trinkt , man Kröten in den Bauch bekommt. Da wäre wieder eine Verbindung zu Thuja, die kann man auch manchmal verwechseln, Wahnidee, hat etwas Lebendiges im Leib. Es gibt eine Sage, die man Kaiser Nero nachsagt: er wollte einmal das Gefühl der schwangeren Frauen haben, sein Arzt empfahl ihm, Krötenlaich zu tinken, damit er diese Kröten im Leib haben würde und dann hätte er ein Gefühl, wie es wär, schwanger zu sein.

 

Besonders gefählich sind  Kröten, wenn sie in der Walpurgisnacht zum Vorschein kommen. Sie werden für Hexen gehalten. An Petri Stuhlfeier, daß ist der 22. Februar, wurden sie zusammen mit Schlangen und Molchen zu Hunderten umgebracht. In China setzen Ärzte Kröten in Mehl, welches ihren Schleim aufnimmt. Dieses Mehl dient dann als Schnupfpulver gegen Konvulsionen. Auch einige Indianerstämme frönen diesem Ritual. Es gibt dort eine Pflanze, in deren Samen sehr hoch Bufagenin enthalten ist, Das ist der Stoff, der in Bufo enthalten ist. Sogenannte Ramon Pane, welcher Kolumbus auf seiner 2. Reise dann zurück nach Deutschland brachte, und er erzählte, daß die Eingeborenen dieses Pulver, wo dieses Bufagenin drin ist, zur ihren religiösen Ritualen benutzten und damit mit höheren Mächten in Verbindung treten. Ein Naturforscher Levin schreibt, daß Menschen, die dies über längere Zeit täten, stumpfsinnig würden und schweigsam. Wenn Sie dann aber den Stoff nahmen, also jetzt in ihren Ritualen, wurden sie sehr gesprächig, sangen, schrieen, sprangen in unwahrscheinlicher Aufregung umher, um dann nachher wieder chronisch in den alten Zustand zu verfallen.

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