Zur Ikonographen-Ausbildung an der SHS
Die Übung ist der Weg...sich selbst einzuweihen
ein Interview mit Hp ANDREAS KRÜGER
von Marion Rausch
Frage:
Nach der Selbsterfahrung im Kurs „Ikonen der Seele“ und im „Alexanderkreis“ soll es nun in einem Ausbildungsangebot deinerseits, Andreas, um mehr als nur reine Selbsterfahrung gehen. Hat das Kind schon einen Namen? Ich lese etwas über einen „Ausbildungskreis für geistig- schamanistisches und mantrisches Heilen“. Ist das richtig?
Krüger:
Nein. Wir bieten zwei Ausbildungslinien an, außerhalb der Tagesausbildung. Die erste Ausbildungslinie ist die zum „Ikonografen der Seele“. Ikonen der Seele, ein Format von Aufstellungen, einfach und gut beschrieben, zum Beispiel von JENS BRAMBACH in BHN 1-2003, hoch erfolgreich in der Praxis und leicht lernbar, hat sich mir in die Seele gesungen, und ich will es auch anderen Menschen in die Seele singen. Ich bin ja ein Mensch, der von seinen Träumen bewegt, manchmal sogar beherrscht wird, und ich hatte Ostern 2002 einen Traum, dass zu meinem 108. Geburtstag meine liebe Freundin und Gefährtin, Petra Thiele, zu mir kam. Ich saß auf einer Veranda eines weißen Farmhauses, das ich schon aus diversen Sterbetrancen kenne, war trotz der 108 Jahre noch ziemlich fit. Und Petra kam und sagte zu mir: „Onkel Hula, wir haben es geschafft. Durch die Ikonenarbeit war heute der erste Tag seit Menschengedenken, an dem auf der ganzen Welt Frieden war.“ Soweit der Traum.
Wenn es eine Frieden schaffende Arbeit gibt, dann ist es die Methode der Aufstellung. Dass wir sie haben verdanken wir dem Luther der Psychotherapie dieses Jahrhunderts, BERT HELLINGER. Dass ich sie lernen durfte, verdanke ich meinem hochverehrten Lehrer, MATHIAS VARGA VON KIBED.
Frage:
Was ist das „Frieden stiftende“ in der Aufstellungsarbeit der Ikonen?
Krüger:
In einem anderen Traum von mir sagte Ramana Maharshi zu Bert Hellinger: „Sag es ihm, du lebst noch, er soll es weiter sagen: Frieden und Freiheit entsteht nur, wenn alles genommen ist, im Innen und im Außen.“ Das heißt, ich muss meine inneren Feinde nehmen, ich muss meine äußeren Feinde nehmen. Ich muss nicht gut heißen, wie sie sind, sondern, ich muss sie nehmen und ich muss sie ehren, selbst vielleicht in ihrer nicht gut geheißenen Andersartigkeit. Und wenn alle Menschen das tun würden, voneinander nehmen, was sie eigentlich ablehnen, den Feind auch in seiner Feindlichkeit ehren, das heißt nicht, sich ihm unterwerfen. Ehren und Unterwerfen sind zwei völlig verschiedene Qualitäten.
Frage:
Sprich von einer solchen ehrenden Feindseligkeitsarbeit:
Krüger:
Ich habe eine Aufstellung geleitet, in der es bei einer griechischen Familie darum geht, dass immer wieder dieser Konflikt mit den Türken da ist.
Ich stellte die türkischen Männer auf, die griechischen Männer, die türkischen Frauen und die griechischen auch. Und das Erste - und das nahm schon 50% der ganzen Problematik an Energie raus - war, dass sich die Krieger, der eine als Sieger, der andere als Verlierer, ehrten. Und sie sagten einander: Ich ehre Dein Kriegertum. Und als ich dann noch den Satz sagte: Es darf gewesen ein“, konnte dieser Satz ohne Probleme auch genommen werden. Dann fragte ich die Frauen: „Wie geht es euch? Und die türkischen Frauen sagten: „Ja, wir ehren unsere Männer, weil sie gewonnen haben. Die griechischen Frauen sagten aber: „Wir verachten unsere Männer, weil sie verloren haben.“
Es war für mich sehr deutlich, dass die Verachtung der griechischen Frauen die griechischen Männer immer wieder in den Revanchismus getrieben hatte, der zwar durch die Versöhnung mit den türkischen Männern schon um 50% geheilt war, aber um ihre Seele (Ehre) wieder zu erlangen, hatten die griechischen Männer immer wieder das Problem, irgendwann Konstantinopel von den Türken befreien zu müssen. Und erst, als sich die türkischen und die griechischen Frauen voreinander stellten und sich gegenseitig ehrten, in ihrer Mutterschaft, in ihrer Waisenschaft, was ihre gefallenen Söhne betraf, da tauten auch die griechischen Frauen innerlich auf und sagten zu den Männern: “Wir ehren euren Kampf und wir ehren euer Kriegertum, auch wenn die Heimat verloren ging.“ Und dadurch verschwanden dann die restlichen 50% des Revanchismus.
Als Hellinger einmal gefragt wurde, was seine wichtigste Arbeit neben dem Aufstellen sei, sagte er: Arbeit in der Kriegsgräberfürsorge. Das ist die Ehrung der Krieger. Ich ehre unter Beibehaltung meiner Identität, ich ehre unter Beibehaltung meiner Ehre. Ich nehme die Schuld an, trage sie, und ich ehre den, dem ich einst Schuld habe angedeihen lassen.
Frage:
Aufstellungsarbeit soll also im Kurs angeboten werden. Für wen?
Krüger:
..für alle, die gerne möchten. Für Menschen, die aus unserer Schule kommen, haben wir ja schon immer einmal monatlich die „Ikonen der Seele“ als Selbsterfahrung. Wir haben außerdem an der Schule unseren Arbeitskreis für geistiges Heilen, der integraler Bestandteil der Ikonografenausbildung ist. Wir haben vier Mal im Jahr große Ikonenausbildungsseminare inklusive Selbsterfahrung und wir haben pro Kurs 7 mal 5 Stunden Tages- Ikonen.
Also für alle, die an unserer Schule sind, ist die Ausbildung 12- mal im Jahr kostenlos, weil im Unterrichtspaket mit drin, der Heilerkreis, der homöopathische Sonntag, ebenfalls.
Leute, die von draußen kommen, die müssen natürlich den Tagesschulunterricht bezahlen, auch die anderen Tage. Und ihnen wird nahe gelegt, zusätzlich noch den Kurs der prozessorientierten Homöopathie zu besuchen, weil das Aufstellen von homöopathischen Mitteln in einer sogenannten Mittelannäherungsreihe zum Wunder so etwas wie integraler Bestandteil der Ikonenarbeit ist. Der Ikonograf sollte schon mindestens auf prozessorientiertem Niveau unsere Homöopathie kennen.
Frage:
Warum sollte jemand von außerhalb des Hauses dieses Paket, also die „prozessorientierte Homöopathie“ und die Ausbildung zum „Ikonografen der Seele“ kaufen? Welche heilenden Qualitäten besäße er dann?
Krüger:
Einmal, die Fähigkeit, Ikonen stellen zu können, von mir zertifiziert. Zweitens die Selbsterfahrung, in höchstwahrscheinlich hundert Ikonen gestanden zu haben und mindestens ein Dutzend Ikonen aufgestellt zu haben. Drittens die Fähigkeit zur Einzelarbeit, weil man die Ikonen auch auf Trance-Ebene stellen kann. Das ist zwar nicht ganz so kraftvoll wie mit der Gruppe, nicht ganz so ausschweifend, also 10 Leute für die Linie, noch drei für die Wunderaspekte, deshalb arbeite ich so gern mit sehr großen Ausbildungsgruppen. Und der Ikonograf hat in drei Jahren auch eine Grundausbildung im Schutz des Heilers erfahren. Etwas ganz Zentrales, was im Augenblick meine Hauptprofession ist, nämlich Heilern zu zeigen, wie sie nicht schwer krank werden. In den letzten zwei Jahren sind zwei meiner engsten Freunde, beide hervorragende Heiler, gestorben. Ich denke auch, weil sie sich zu wenig geschützt haben, als Krebstherapeuten zumal. Unendlich viele Aufsteller werden krank. Unsere große Lehrerin, ROSINA SONNENSCHMIDT, die langsam schon Spezialistin ist für krank gewordene Therapeuten, weist uns immer wieder darauf hin: Heilerschutz, Heilerschutz! Wir haben mehrere CD`s zu diesem Thema rausgebracht: „Hilfloser Heiler“, „Alltägliches Wunder“, eine neue CD von HANS WULF von USLAR. Also, der Fokus liegt in diesen drei Ausbildungsjahren ganz stark auf dem sich schützenden Heiler.
Und im Heilerkreis ist auch eine Einführung mit Seelenreisen, Seelenbewegung, das, was man im weitesten Sinne schamanisch nennt. Was wir aber, weil wir unsere eigenen Wurzeln ehren wollen und nicht bei nordamerikanischen Indianern oder sibirischen Tschuktschen Begriffe klauen wollen als GEISTIGES HEILEN, Seelenreisen und Seelenbewegung bezeichnen. Wir sind keine Schamanen, weil wir auch keine Lakota- Großmutter haben. Ich nenne mein Singen auch nicht mehr mantrisches Singen, sondern heilsames Singen, weil ich dabei eben auf meine eigene Sprachlichkeit, meine eigene Wurzelkraft Wert lege.
PETER ORBAN sagt: „Warum soll dir irgendein Sioux-Indianer bestätigen, dass du ein großer Schamane bist. Ich habe dich vor 20 Jahren in Seelenreisen initiiert, du hast 8000 Bücher über Seelenreisen verkauft, es gibt Hunderte CDs vor Dir, wo du Hunderte von Menschen auf die Reise schickst. Dir muss kein amerikanischer Indianer zertifizieren, dass du das machen kannst.“
Frage:
Ikonen der Seele, Aufstellungsarbeit, um Frieden zu stiften in den Seelen, vielleicht sogar - wie Dein Traum dich glauben macht - eines Tages in der Welt: ein Mammutwerk, so will mir scheinen. Ich erlebe dieses Werk als eine neue Stufe Deines Lehrens. Sehe ich das richtig?
Krüger:
Genau. Die prozessorientierte Homöopathie ist mir ein ganz liebes Kind, sie wird es auch immer bleiben. Die Ikonenarbeit ist so etwas wie die Geburt meines Herzens. Die schönsten Komplimente bekam ich betreffs meiner Ikonen. Ich liebte schon immer Ikonen, die Heiligenbilder der Orthodoxen in den Kirchen. Ich küsse Ikonen gerne, ich finde es herrlich, dass man seinen Gott küssen kann. Wir dürfen die Ikonen bebeten, die Ikonen sprechen zu uns, sie sind Fleisch gewordene Göttlichkeit. Ich sage immer, mein Kinderherz ist orthodox. Mein innerer Krieger mag Indianer sein. Mein medorrhinischer Fischhändler mag Hindu sein, mein Trauriger, sich nach Gott Sehnender mag Jude sein, aber mein Kind ist orthodox. Nichts lässt mein Herz weiter werden als die Gesänge russisch- orthodoxer Mönche.
Die Ikone als heilendes Bild, als heilsamer bildschaffender Prozess ist schon etwas, was meiner Seele total wichtig und nahe ist. Das schönste Kompliment, das ich als Lehrer bekommen habe, war das Kompliment eines griechischen Schülers, eines alten homöopathischen Arztes, für den ich auch aufstellen konnte. Er sagte zu mir: „Andreas, du hast uns die Tragödie heimgebracht.“
Frage:
Also die Schüler, oder schon fertige Heilpraktiker, oder Therapeuten anderer Richtungen, können dann Komplimente wie Du sie bekamst, sich holen, indem sie Frieden stiftende Seelenarbeit tun…
Krüger:
Genau. Es gibt ein halbes Dutzend Schüler von mir, die ich in Ikonenarbeit ausgebildet habe. Die dieses Format praktizieren, bei denen es genau so gut wirkt wie bei mir. Es gibt nur eins bei den Ikonen, man muss es relativ klassisch nachmachen. Ikonen werden heute gemalt wie vor tausend Jahren. Also man muss, wenn man Ikonen macht, die Monopolisierung des Wunders beachten, man muss unsere vier Schritte beachten: Ehrung, Rückgabe, Linie, Wunder. So ist es in dem wunderbaren Artikel von Jens Brambach nachzulesen. Wer die BHN nicht oder noch nicht bezieht, soll diesen Artikel im Büro der SHS erfragen.
Ich habe ein einfaches Format für gottesfürchtige Menschen geschaffen…
Frage:
Unterweisung ist also wichtig…
Krüger:
Unterweisung ist wichtig, Hingabe ist wichtig. Sich an diesem Format zu erbauen und es nachmachen, ist wichtig! Änderungen sind immer prozesshaft. Darum werden sich auch die Ikonen immer wieder ändern. Aber wir testen zum Beispiel jegliche Änderung über das Wunder. Wir behalten immer das absolute Monopol des Wunders, also das, was sich der Klient wünscht, im Auge. Aber es kann auch sein, dass wir bei einer Aufstellung trommeln sollen. Wenn das Wunder als wichtigste Größe im Aufstellungsfeld, sagt, dass das Trommeln mir gut tut, dann wird getrommelt. Wir können auch testen, ob wir Krafttiere mit aufstellen sollen.
Frage:
Wir sind jetzt, um dem Ganzen eine Ordnung zu geben, bei der sich im BILD der Ikone zeigenden Verwandlung und bei der Annäherung an das Wunder angekommen.
Ein anderes Moment von heilender Energie hat mich sehr angerührt, nämlich dieses heilsame Singen. Warum gerade Singen als heilsames Prinzip?
Krüger:
Vor Jahren habe ich in einer Trance den Namen bekommen: Singt für die Kranken. Ich war schon immer ein großer Sänger. Ich habe auch viele, viele Jahre Gesangsausbildung gemacht als Schüler von MONA GLÖCKLER, nach ANNA LANGBECK - dabei öffnet man den Körper. Sicherlich habe ich auch etwas laut und etwas falsch gesungen, was meiner Familie auch oft etwas peinlich war…
Frage:…nach meinem Anhören Deiner Alexanderkreisgesänge singst du inzwischen fast opernreif…
Krüger:
Das freut mich sehr.
Ich habe vor drei Jahren eine Vision gehabt, dass ich für meinen Schwiegervater, der damals sehr krank war, das Gayatrimantram singen sollte, um ihm zu helfen gesund zu werden. In dieser Vision sprach die große deutsche Heilige, THERESA von KONNERSREUTH, zu mir und empfahl mir ein hinduistisches Mantram. Ich liebe dieses Mantram sehr und habe inzwischen viele, viele Mantren von meiner hochverehrten Kollegin ASTRID MICHELS dazu lernen dürfen. Ich singe meine Patienten an. Ich singe neuerdings sogar in der Aufstellung, wenn ein Wunder sagt, es tut ihm gut. Ich singe während meines meditativen Laufens, ich singe, ich singe, ich singe. Inzwischen singen meine Schüler. Ich singe archaische Krafttiergesänge, Kriegsgesänge, heilige Gesänge. Ich singe. Das Singen als heilende Ausübung würde ich als meine primäre Heilkraft sehen.
Frage:
Singen und Bewegen als heilende Übungen: es gibt Leute, die haben sich damit wissenschaftlich auseinandergesetzt und dabei betont, dass die Schaukelbewegung, das Drehen um sich selbst, das Rhythmische, von Trommel und Gesang unterstützt, dabei in eine Art Trance, in einen anderen Bewusstseinszustand zu gehen, wichtige Übungen sind.
Ich habe Dich kennen gelernt als einen Zauberer der Trance. Trance also schließt offensichtlich Singen und bewegenden Rhythmus UND Ikonen, also BILDER mit ein? Ist denn nun dieser entrückte Zustand, der mich in andere Bewusstheiten führt, der Königsweg zu heilender Energie?
Krüger:
Ich denke, wenn die Griechen das, was ich mache, die Wiederkehr der Tragödie nennen, dann hatte offensichtlich die Tragödie alles. (Es gibt von Friedrich Nietzsche den Aufsatz „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“, in dem eine Literaturwissenschaftlerin auch eine Verbindung zu meinen Gesängen erblickt haben will)
Die antike Tragödie wurde gesungen, singende Chöre. In der Tragödie schauen die Heiligen auf uns, sie inkarnieren sich auf der Bühne. Das attische Theater war ein Heiltheater.
Und ich denke, dass das Thema Trancearbeit in den letzten Jahren auch durch meine eigene Erfahrung, auch durch mein eigenes Gesundwerden, durch mein geistheilendes Singen, eine Erweiterung und Vertiefung erfahren hat. Und durch dieses eigene magische Damaskus habe ich jetzt auch angefangen, ob in Praxis oder in der Ikonenarbeit, mir mehr Raum dafür zu geben. ?
Frage:
Um es zusammenzufassen, dieses Singen, Stampfen, Trampeln, Wiegen, Schaukeln, Trommeln, Beten, Meditieren, Trancen, diese Sehnsucht nach Versenkung- ein Menschheitsbedürfnis- wird also therapeutisch genutzt?
Krüger:
Ja. Und, was ja im Grunde auch beim alten Schamanismus immer ganz tief war und was ja auch in unserer Ikonenarbeit mit das Wichtigste ist, was es überhaupt gibt: wir holen uns die Kraft aus der nichtalltäglichen Wirklichkeit. Wir holen uns die Kraft von unseren guten Geistern, von unseren Krafttieren, von unseren Ahnen, von unseren Engeln, von unseren Toten. Wir als Therapeuten stehen vor der Ikone, die uns ein Tor zur nicht alltäglichen Wirklichkeit öffnet. Der Ikonograf, der seelenreisende, der merlineske Mensch, wie HERBERT FRITSCHE ihn nennt, oder wie RHANA sagt: „der Mensch der Zukunft wird ein mystischer sein oder er wird nichts sein“, oder wie ich sage: „der Mensch der Zukunft wird ein magischer sein oder er wird nichts sein“, dieser Ikonograf arbeitet durch das Tor zur nicht alltäglichen Wirklichkeit, durch die Ikonia, durch das heilende Bild. Und durch dieses Bild fließen Kräfte auf uns, die wir aus der Ikonenarbeit kennen, die wir aus der Homöopathie kennen, die nichts anderes sind als Gnadenarbeit.
Und der Ikonograf weiß um diese nicht alltäglichen Kräfte, die in seine Arbeit hinein fließen. Und er versucht ein Sensitiver, ein Fühlender für diese Kräfte zu werden. Mit Hilfe von so wunderbaren Lehrern wie ROSINA SONNENSCHMIDT und HARALD KNAUSS tun wir das auch in einem geschützten Rahmen, ohne gleich von einer Psychose bedroht zu werden, ohne bedroht zu werden von irgendwelchen Besetzungen, ohne den Krebs unserer Patienten kriegen zu müssen. Mit viel Schutz das Ganze zu erarbeiten, mit seriösem Tun und mit den Millionen Legionen, die vor uns geheilt und gewirkt haben.
Frage:
Mit welchen Techniken auch immer, Andreas, Singen, Trommeln, Tanzen, Meditieren, Bilder sich zu eigen zu machen, es geht also um Kraftzuwachs und die Suche nach den Kraftquellen?
Krüger:
…es geht um die Heiligen, die durch uns wirken. Der Ikonograf ist ein Medium für diese Heiligen, dieses Heilende, ob es ein singender Indianer, ein schuckelnder Rebbe, ein tanzender Shiva oder ein Britzer Bauer ist, oder ein Engel. Wir sind Künder dieser nicht alltäglichen Wirklichkeit. Wir sind Arbeiter mit diesen Kräften der nicht alltäglichen Wirklichkeit.
Frage:
Schulung und Unterweisung zum Zwecke der Heilung anderer geht weit über reine Selbsterfahrung hinaus. Du sprachst bereits vom Schutz des Heilers. Mir will scheinen, das diese Unterweisung auch viel, viel Disziplin und Selbstverantwortung benötigt oder?
Krüger:
Ich habe vor vielen Jahren einen Traum gehabt, der lautete: „Das einzig Verwandelnde ist regelmäßiges Üben.“ Ein paar Wochen später hatte ich den zweiten Traum zu diesem Thema, den ich auch ganz weit weg geschoben habe, obwohl ich sonst immer auf meine Träume höre. Dieser lautete etwa so: Das einzig Verwandelnde entsteht durch Verwandlungsenergie, und die entsteht, wenn ich etwas tue, was ich eigentlich nicht will.
Ich habe mich 49 Jahre lang um diese Sätze herum gedrückt. Ich habe ganz viel Therapie gemacht, ich habe gesungen, habe mich trancen lassen. Ich bin der sicher am meisten massierte Mensch, den ich kenne. Ich kenne niemanden, der mehr Neuraltherapiespritzen bekommen hat als ich. Ich glaube, ich bin der quantitativ höchst therapierte Mensch, den ich kenne. Und trotzdem, der entscheidende Schritt, der auch mich in meiner letzten schweren Krise in seiner ganzen Tiefe verwandelt hat, war, dass ich irgendwann, als ich nicht mehr weiter konnte, also mich die Geißel Gottes lange genug gehauen hatte, anfing zu laufen, anfing beim Laufen zu singen. Und zwei Tage nachdem ich lief, war meine Krankheit überstanden, waren alle Dysästhesien verschwunden. Ich konnte endlich wieder schlafen, und nebenbei habe ich auch mein Gewichtsproblem gelöst. Und dadurch, dass ich selbst ein Übender geworden bin, kann ich jetzt auch meinen Patienten helfen, Übende zu werden.
Frage:
Die Auszubildenden üben das Üben, um ihre Kranken in die Übung zu bringen. Das also ist der Kern der Ausbildung. Dennoch Andreas, ich höre da eher so etwas wie Einweihung. Ist denn die wahre Einweihung die Übung?
Krüger:
Die Übung ist der Weg des Einzuweihenden, sich selbst einzuweihen. Wir als Lehrer können nur sehr partiell einweihen. Einweihung findet. Einweihung ergreift. Einweihung wirft! Die einweihenden Kräfte geißeln uns so lange, bis wir genügend gestöhnt und genügend geschrieen haben, dass irgendwann einmal Einweihung genug ist. Einweihung ist etwas, das mich ergreift. Ich kann Einweihung nicht ergreifen. Das Üben scheint etwas zu sein, das unser kleines ICH mürbe macht. Was den Tempel Gottes, wie manche ja unseren Körper nennen, bereit macht, ihn auch auf eine gewisse Art und Weise stählt, vom Feuer der Einweihung ergriffen zu werden - nur starke Körper halten dieses „Eingeweihtwerden“ aus, schwache Körper verbrennen in diesem Feuer der Einweihung - ist, denke ich, das Üben, auch das physische Üben. Zumindest ist die Übung eine Grundvoraussetzung, um Einweihung zu überleben.
Frage:
Da fallen mir die Einweihungsrituale unserer Märchen ein…
Krüger:
…ohne Frage!
Im Gespräch mit Andreas Krüger war Marion Rausch