Wirkendes Wunder 

Die Beobachtungen eines Weggefährten 

von Jens Brambach

„War es nicht Wunder? O staune, Engel, denn wir sinds,
wir, o du Großer, erzähls, daß wir solches vermochten, mein Atem
reicht für die Rühmung nicht aus. So haben wir dennoch
nicht die Räume versäumt, diese gewährenden, diese
unseren Räume. (Was müssen sie fürchterlich groß sein,
da sie Jahrtausende nicht unseres Fühlens überfülln.)“

Rainer Maria Rilke
Duineser Elegien, 7 Elegie 

Ein Leben ohne Wunder ist möglich aber sinnlos.
Frei nach Loriot
 

Was ist ein Wunder? Ein Wunder nennen wir etwas, dass wir uns nicht erklären können. Etwas, das nicht möglich schien und dennoch eingetreten ist. Und es ist etwas, was wir positiv bewerten. Niemand sagt: „Ein Wunder, ein Wunder. Gestern fühlte ich mich noch pudelwohl und heute schon geht es mir hundeelend und der Sensenmann steht vor der Tür.“ Nein, ein Wunder ist etwas sehr Gutes, an dass wir nicht mehr wagten, zu glauben. 

Ein Wunder ist Gnade. Ans Ende eines wirklichen Weges, eines Weges mit Herz, gehört immer auch ein wenig Gnade. Etwas muss uns geschenkt werden, dass wir nicht aus eigener Kraft erringen können. Ein wirklicher Weg führt immer über den Gehenden hinaus. Alles muss der Gehende geben, aber Alles ist nicht genug. Dann kommt, von außen, eine Hand, die ihn die letzten Meter trägt. Und dann wissen wir, dass es ein Weg mit Herz war. Das ist Gnade, dass ist ein Wunder. 

Was ist dass, ein Wunder? Ein Wunder ist wie ein guter Freund, für den wir uns zu wenig Zeit nehmen. Jedesmal wieder, wenn wir ihm begegnen hüpft unser Herz, wir begrüßen ihn, reden angeregt und gehen auseinander mit dem festen Vorsatz, ihn nächste Woche zum Essen einzuladen. Doch dann kommt wieder etwas dazwischen. Wir schieben es immer weiter hinaus und irgendwann ist die Erinnerung an das Wunder mit einem schlechten Gewissen verknüpft. 

Was ist das Wunder? Das Wunder ist unser einzig wahrer Seinszustand. Alles andere ist Illusion. Wir haben jeden Augenblick Teil am unerschöpflichen Wunder des Lebens und des Todes, des Seins und des Nichtseins. Wir sind Schöpfer unserer Realitäten, ja gar unserer Welt und sind nichts als verwehter Staub in der Unendlichkeit. Alles was uns umgibt und durchdringt ist so ungeheuer aufregend, vibrierend vor Energie, berstend vor Information überfließend vor Bedeutung und doch jede Bedeutung transzendierend. 

Es ist ein Wunder, wie wir es schaffen, dieser Welt nicht staunend gegenüberzutreten, wie es uns gelingt unsere Verstandesblasen und Projektionsgefängnisse aufrechtzuerhalten. Es ist ein Wunder wie viele Schattierungen von Mausgrau wir kreieren um damit unsere Realitätstunnel und platonischen Höhlen zu tapezieren. 

Ist es nicht verwunderlich, wie weit wir uns vom allgegenwärtig Wunderbaren entfernt haben, bestenfalls ferne Ahnungen in entlegenen Winkeln unseres Herzens bewahren? Wir tauschten den Rummelplatz gegen die Gefängniszelle, der sicheren Versorgung mit Wasser und Brot wegen. Nimmt es nicht Wunder, wie wir uns immer mehr dem Grau und der Eintönigkeit ergeben? Wir drücken Leere an unser Herz und sie zermalmt uns die Brust. (Tagore)  

Was steht zwischen uns dem langsamen Erstickungstod? Was lässt die Farben wieder leuchten und die Quellen wieder sprudeln? Die Erinnerer sind es. Die Barden, die Geschichtenerzähler, die Seelensinger und Heilwortträger. Gegen die fortschreitende Verwüstung der Seele erheben sie ihre Stimmen und legen Zeugnis ab von den reinen Ländern hinter dem Horizont. Ihre Worte wirken Portale, durch die wir die inneren Räume betreten können, die wir vor langer Zeit vergessen haben und dehnen doch immer unser Sehnen galt. 

Sie erinnern uns an unsere Unversehrtheit und Reinheit, an unsere Schönheit und Kraft. Sie wecken im Herzen die Freude und erneuern das Wissen, dass wir Gefäße sind voller Liebe, für uns und für andere. Sie wecken den Hausherrn und jagen die Diebe aus dem Haus. Ihre Worte zersingen den Bann aus Angst, Hass, Isolation und Mangel. Sie erinnern uns an den Pfad, der zur Freiheit führt, wieder und wieder. 

Andreas Krüger ist so ein Erinnerer, so ein Barde. Was macht ihn dazu? 

Da ist einmal sein (fast) unerschütterlicher Glauben an das Wunderbare. Er ist besinnungslos vor Hoffnung und strotzt vor Positivität. Auf viele Menschen wirkt bereits, dass er ohne Wenn und Aber an sie glaubt. Dass er sich weigert, sich ihre einschränkenden Selbsteinschätzungen zu eigen zu machen.  

Es gibt ein Gesetz bei den Sufis, das heißt: „Sei beim Verbergen der Schwächen deines Bruders wie die Nacht.“ Da wir ständig an der Welt mitweben und die Energie der Aufmerksamkeit folgt, ist es alles andere als einerlei, ob wir uns selbst und uns gegenseitig als bedauernswerte Kreaturen oder als noch etwas verschlafene, mithin nicht ganz erwachte kleine Buddhas sehen. Um nicht missverstanden zu werden: Diese Dynamik entzieht sich weitgehend einem oberflächlichen positiven Denken. Nur wenn diese Positivität tief die Seele durchdrungen hat, entfaltet sie ihre Wirkung kraftvoll. 

Die nächste Eigenschaft, die Andreas zu einem Barden der Seele macht, ist seine Fähigkeit zu staunen. Diese trug ihm den Namen Schwärmherz ein und er führt ihn zu recht. Es gibt wirkliche Wunder. Dinge, die unser Verständnis übersteigen, die uns zeigen, dass es weit mehr zwischen Himmel und Erde gibt, als wir zu glauben wagen. Um diese Wunder zu sehen, müssen wir die Augen und unseren Geist öffnen, unsere Scheuklappen abwerfen und die Schwingen unserer Wahrnehmung entfalten. Sind wir dazu einmal bereit ergibt sich das Staunen von selbst, es ist keine Kunst, es liegt praktisch in der Natur der Sache. Es handelt sich um simple Verblüffung. Wir staunen so lange, bis wir das Bestaunte integriert, „begriffen“, „erfasst“ haben.

Erst danach setzt die Kunst des Staunens ein. Erst wenn wir auch den Zauber im Altbekannten sehen, im Alltäglichen erleben, helfen wir der Welt dabei wahrhaft wunderbar zu sein. Das Wunder ist keine Einbahnstraße, wo wir nur die Empfänger sind. Es ist Ausdruck eines regen Austausches in einem von Bewusstsein durchdrungenem Universum. Das Wunder braucht uns zum Sein so wie wir es zum Leben brauchen. 

„Preise dem Engel die Welt, nicht die unsägliche, ihm
kannst du nicht großtun mit herrlich Erfühltem; im Weltall,
wo er fühlender fühlt, bist du ein Neuling. Drum zeig
ihm das Einfache, das von Geschlecht zu Geschlechtern gestaltet,
als ein Unsriges lebt, neben der Hand und im Blick.
Sag ihm die Dinge. Er wird staunender stehn; wie du standest
bei dem Seiler in Rom, oder beim Töpfer am Nil.
Zeig ihm, wie glücklich ein Ding sein kann, wie schuldlos und unser,
wie selbst das klagende Leid rein zur Gestalt sich entschließt,
dient als ein Ding, oder stirbt in ein Ding -, und jenseits
selig der Geige entgeht. - Und diese, von Hingang
lebenden Dinge verstehn, daß du sie rühmst; vergänglich,
traun sie ein Rettendes uns, den Vergänglichsten, zu.
Wollen, wir sollen sie ganz im unsichtbarn Herzen verwandeln
in - o unendlich - in uns! Wer wir am Ende auch seien.“
Duineser Elegien, 9. Elegie
 

Und diese Kunst beherrscht Andreas. Er kann in Verzückung ausbrechen über die einfachsten Dinge des Lebens – Wahrhaft goldmedaillenverdächtig wird diese Fähigkeit beim Essen. Er kann seine Geschichten von Heilung und Magie wieder und wieder erzählen, ohne dass sie je Asche in seinem Mund werden. Er ist wie angeschlossen an eine unerschöpfliche Quelle der Begeisterung und so singt er seinen Schülern die Frohe Botschaft förmlich in die Seele. 

Weiterhin ist er total pragmatisch und lösungsorientiert veranlagt. Das Wunder soll sich möglichst sofort und zum Wohle des Klienten auswirken. Es soll sich im wahrsten Sinne des Wortes auszahlen und zu mehr Gesundheit, Wohlstand, Wohlbefinden führen.
„Mein einziges Ziel besteht darin, den Klienten zu seinem Wunder zu bringen.“ Habe ich ihn unzählige Male sagen gehört. Oft habe ich es für vermessen, ja anmaßend gehalten und vermessen ist es fürwahr. Aber auf eine erfrischende Weise. Und es liegt auch eine besondere Form von Bescheidenheit in dieser Aussage. Es ist ein Bekenntnis zur Einfachheit und zu einfachen Zielen im Hier und Jetzt. 
Ich habe in den letzten Jahren viel Wunderbares mit Andreas erlebt. Ich habe viel Hilfe erfahren und zahlreiche Menschen gesehen denen geholfen wurde. Ich habe eine Menge verstanden und verinnerlicht, mich an vielem gerieben. Manches fand ich unwichtig, gar falsch.
Überwiegend war die Zeit ein purer Genuss. Andreas hat mir manch eine Tür ins Land der Wunder geöffnet. Und, wichtiger noch, er hat mir geholfen, mit dem umzugehen, was dort hereinkam, es einzuwurzeln. 

Er hat seine Begeisterung für das Wunder auch in seine Aufstellungsarbeit eingebracht und ein Format begründet, die Ikonen der Seele. Dieses Format hat für Aufsteller einige interessante Aspekte, wir haben anderswo darüber geschrieben. Aber letztlich ist es ein Aufstellungsformat wie viele andere auch.
Ist der Aufsteller weitherzig, mutig und aufmerksam wird er mit diesem Format, so es ihm einigermaßen liegt, gut arbeiten können und Lösungen finden.
Ist er dagegen verstrickt, selbstbezogen und eng, wird ihm auch dieses Format nicht helfen. 
Die Ikonen der Seele entsprechen einfach Andreas Art zu arbeiten sehr gut. Aber sie sind nur eine äußere Form und im Bezug auf den Inhalt aus meiner Sicht absolut zweitrangig.  
Worauf es ankommt und was ich hier deutlich machen wollte, ist die Fähigkeit von Andreas, Wunder zu wirken. Die Fähigkeit den Zauber des Numinosen in diese Wirklichkeit zu tragen. Das Staunen zu lehren und uns zu erinnern.
Dafür und für mehr bin ich ihm in tiefer Dankbarkeit verbunden. Ich hoffe noch auf viele gemeinsame wunderbare Wege, voller Liebe, staunend, wach und frei. 

Möge die Erde erwachen. Möge die Zeit der Zentauren heraufdämmern. 

Ich schließe mit den Worten eines der größten Erinnerer, des letzten Jahrhunderts: 

Unsere größte Angst ist nicht, unzulänglich zu sein.
Unsere größte Angst ist es, unermesslich kraftvoll zu sein.

Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, ängstigt uns am meisten.
Wir fragen uns:
„Wer bin ich denn, dass ich so brillant, hinreißend, begnadet, phantastisch sein sollte?“
Aber: Wer bist du, es nicht zu sein?

Du bist ein Kind Gottes.
Wenn du dich klein machst, hilft das der Welt gar nichts.
Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du dich zurücknimmst,
nur damit andere um dich herum nicht unsicher werden.
Wir alle sind dazu bestimmt, wie Kinder zu strahlen.

Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns ist, offenkundig zu machen.
Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen.
Und wenn wir unser eigenes Licht leuchten lassen,
ermutigen wir damit unbewusst andere Menschen, es auch zu tun.

Sobald wir von unserer eigenen Angst befreit sind,
wird unsere bloße Anwesenheit auch andere befreien.

Marianne Williamson
(1994 zitiert von Nelson Mandela in seiner Antrittsrede als erster schwarzer Präsident Südafrikas)


Laudatio für Andreas Krüger
Von Klaus-Jürgen Becker


Als mich Andreas Krüger bat, ein Vorwort für sein neues Buch zu
schreiben, fühlte ich mich auf der einen Seite geehrt, auf der anderen
Seite allerdings auch gefordert, da mein Geist derzeit sehr stark mit »bodenständigen
« Themen beschäftigt ist, mit der Ordnung von Alltag, Steuern,
Finanzen, Miete und dem Aufkommen für das tägliche Brot. Doch
dann ging es mir mit dem Suchen und Finden der richtigen Worte so, wie
es Rilke einmal mit folgenden Worten darstellte:


Die armen Worte, die im Alltag darben,
die unscheinbaren Worte lieb ich so.
Aus meinen Festen schenk ich ihnen Farben,
da lächeln sie und werden langsam froh.
Ihr Wesen, das sie bang in sich bezwangen
erneut sich deutlich, dass es jeder sieht;
sie sind noch niemals im Gesang gegangen
und schauernd schreiten sie in meinem Lied.


Meine Gedanken an das tägliche Brot möchte ich nun mit der Laudatio
für Andreas verbinden – immerhin habe ich einen großen Teil meiner
neuen »Bodenständigkeit« auch ihm zu verdanken und erinnere mich in
dem Zusammenhang auch daran, dass ein Weiser einmal gesagt hatte,
man müsse »die Welt aufessen«, um Erlösung zu finden. Was mag er damit
gemeint haben?
Wenn wir etwas essen, gewinnen wir einen Geschmack davon. Wir
verleiben es uns ein und erlauben dem, was wir zu uns nehmen, Bestandteil
von uns selbst zu werden. Wir lassen uns von unserem Essen
berühren, verdauen es und erleben, dass es ohne unser äußeres Zutun
alchemistisch umgewandelt wird. Das Wertvolle an unserer Nahrung
steht uns dann zur Verfügung. Was nicht mehr brauchbar ist, darf gewesen
sein, wird ausgeschieden und den umwandelnden Kräften der Natur
überlassen.
Ähnlich wie wir Nahrung aufnehmen und wieder hinter uns lassen
müssen, so müssen wir auch das Leben annehmen und später wieder
loslassen. Dies gilt für den Tag ebenso wie für die gesamte Lebenszeit.
Leider haben viele Menschen »Verdauungsprobleme mit dem Leben«
oder weigern sich das Leben (an)zunehmen, weil das, was ihnen das Leben
gibt, ungenießbar und unpassend erscheint. Doch das Leben macht
keine Fehler in dem, was es uns gibt. Es ist kein Zufall, wer welches Thema
zum Verdauen (Gesundheit, Beziehungen, Beruf etc.) bekommt, sondern
Ausdruck eines Gesetzes, das uns letztendlich zum Heil führen soll.
Wenn das Leben so weise ist, wie entsteht dann (seelische, emotionale,
physische) Krankheit?


Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser,
Schicksal des Menschen, wie gleichst du dem Wind.
Johann Wolfgang von Goethe


Nicht das Leben selbst ist das Problem, sondern der Widerstand gegen
das Leben, gegen das, was es uns in jedem Augenblick präsentiert.
An diesem Widerstand erkranken wir. Unsere »Krankheit« hat eigentlich
die Aufgabe uns seelisch gesund zu machen. Doch oft verstehen wir die
Botschaft des Lebens und unserer »Symptome« nicht. Wir verweigern
uns ihr. Wir nehmen das Leben nicht an und betrügen uns um seine
Möglichkeiten. So heißt es auch in einem indianischen Segensspruch:
»So viele sitzen vor vollen Schüsseln und hungern. So viele haben
starke Stämme und kraftvolle Wurzeln, wenden sich aber von ihnen ab,
nörgeln an ihnen herum, statt sie bedingungslos zu nehmen. In diesem
Land, das ja, wenn wir ehrlich zu uns sind, fast paradiesische Zustände
bietet, leiden viele Menschen Mangel, seelisch, geistig und ökonomisch
trotz einer immensen Fülle, die sie umgibt, nur weil sie nicht gelernt haben
oder vergessen haben, sie zu nehmen.«
Wir können uns das Leben wie eine riesige Tafel vorstellen. Wir sitzen
an unserem Platz und es wird uns serviert, vielleicht Graupensuppe. Und
wenn wir keine Graupen mögen, bleiben wir auf ihnen sitzen. Denn weiterrücken
zum nächsten Platz, auf dem vielleicht Götterspeise serviert
wird, dürfen wir erst, wenn wir unsere Graupen aufgegessen haben.
Wir brauchen beides, die Graupen wie die Götterspeise. Manchmal
würden wir die Graupen ja essen, wenn wir sie nur vertragen würden. In
dem Fall fehlen uns womöglich Katalysatoren, die uns helfen anzunehmen
und zu verdauen. Doch statt nach Katalysatoren zu suchen und darüber hinaus unsere fehlerhaften Vorstellungen in Frage zu stellen, bleiben
wir stehen, lamentieren und erkranken an unserer Verweigerung zur
Teilnahme am Leben.
Wir können die Menschen in drei Gruppen aufteilen: In jene, die vorstellungsbesessen
zu den Schicksalsgöttinnen beten, sie mögen ihnen
das große Los zukommen lassen. In andere, welche die Schicksalsgöttinnen
verfluchen oder sie leugnen, weil sie glauben, nicht das große Los
bekommen zu haben. Und in jene, welche den Schicksalsgöttinnen die
weise Führung über das eigene Leben überlassen und das, was das Leben
durch sie verwirklicht haben will, freudig erkennen, bejahen und bewusst
unterstützen. Nur der dritte Weg ermöglicht Einsicht in die Schicksalsgeheimnisse,
während die ersten beiden Wege blind machen für das
Wirken des Einen Geistes, für den Sinn unseres Hierseins. Doch im bewussten
»Durchleben« des Lebens bei gleichzeitiger Ehrung dessen, was
uns – frei von Vorstellungen – geschieht, wird uns eine tiefe Weisheit
zuteil. Insofern ist »Dr. Alltag« und die durch ihn wirkenden Kräfte unser
aller Lehrer. Hierbei spielt es keine Rolle, ob das, was uns widerfährt »gut«
oder »böse« ist, da wir letztendlich das »wahre Gute« dahinter erkennen
müssen, so wie es Rumi schrieb:


»Jenseits von gut und böse, da sehen wir uns wieder.«


Andreas Krüger ist ein Initiator und Homöopath, der nicht nur andere
darin begleitet, sich den weisen Kräften anzuvertrauen, sondern auch
dazu beiträgt, Altlasten aufzulösen und geeignete Verdauungs-Katalysatoren
bereitzustellen. Erst dann ist es möglich, dem Leben dankbar,
andächtig, ja sogar ikonegraphisch zu begegnen, zu berühren und berührbar
zu sein. Berührbar sein ermöglicht dem Patienten wie dem Heiler
und natürlich auch jedem »normalen« Menschen, das Wesentliche
zu erkennen, auch dort, wo der analytische Verstand versagt. Was es
heißt, zu berühren und berührbar zu sein, lehrt und vermittelt der astrologische
Doppelkrebs Andreas auf eine nährende, Mut machende und
reife Weise.
Auffallend ist der hohe Stellenwert des Eros und des orgiastischen
Erlebens für den von Andreas Krüger aufgezeigten Heilsweg. Andreas
ist nicht nur ein freudvoller, sondern auch ein Lust bejahender Lehrer,
der seine Schüler und Patienten ermuntert, ihr orgiastisches Potenzial
zu leben. Warum sind Eros und orgiastisches Erleben im Heilsprozess so
wichtig?
Der Eros resoniert mit dem Innersten des Menschen und unterliegt,
ebenso wie der Lebensweg, einem Entwicklungsprozess, welcher die
Sinne durchschreitet, verfeinert und letztendlich in universellem Wissen
und Mitgefühl mündet, bis er an das Eine Tor stößt, in der Zeit und Ewigkeit
sich begegnen und wir das Leben als orgiastisches Phänomen, erlebt,
erfüllt von Tod und Neugeburt, eingebettet in die Ekstase des Jetzt. Das
orgiastische Potenzial zu leben inspiriert den Menschen zur Selbstannahme,
bis er – Licht und Schatten durchschreitend – dieses Potenzial nicht
nur physisch, sondern auch in immer stärkerem Maße geistig und nicht
nur als unbewussten Reflex, sondern auch in immer stärkerem Maße als
etwas zu ihm gehöriges akzeptiert und letztendlich sublimiert.
Aus der Nacht des Unbewussten, der seelen- und gedankenlosen –
flammt die Schlange, vom Schlafe befreit,
wiegt sich, lodert auf in mächtigem Sturm
leckt mit ihrem Flammenmund
die Zentren auf ihrem Wege.


Aus dem Schlaf gerissen vom Kuss des Feuers
blühen sie lachend auf,
übergössen mit Wonne und Licht:
In des Ewigen Raum umarmt die Gottheit die Seele.
Sri Aurobindo, Savitri


Die französische Umschreibung für den Orgasmus La petite mort, »der
kleine Tod«, spiegelt die Assoziation Orgasmus und Tod, also dem »großen
Loslassen« sprachlich wieder. Nach Schriften des tibetischen Buddhismus
durchläuft der Mensch im Orgasmus dieselben Bewusstseinsphasen
wie während des Sterbens. Im Tantra Yoga gelehrte Konzentrationstechniken
unterweisen ihre beispielsweise Schüler darin, sich nicht von dem
orgiastischen Erleben überwältigen zu lassen, sondern in ihm bewusst
zu bleiben. Nach tantrischer Auffassung wird dadurch die Wahrscheinlichkeit
erhöht, während des Sterbeprozesses ebenso bewusst bleiben
zu können und so Befreiung zu erreichen. Die Bedeutung des Orgasmus
steht hier ganz in einem meditativen Kontext anstatt in einer sexuellen
Erfüllung. Die orgiastische Energie lässt sich allerdings auch hervorragend
für Heilungsprozesse jeder Art nutzen, welche ja auch immer ein Loslassen
von Krankheit sind.
(Quelle: Wikipedia »Orgasmus«)


Ich kam an deine Küste als ein Fremdling,
ich wohnte in deinem Hause als ein Gast,
ich verlasse deine Schwelle als ein Freund,
o Erde.
Rabindranath Tagore


Andreas Krüger ist ein Heiler, der bereits zu Lebzeiten gelernt hat, (an)
zu nehmen, zu leben, zu sterben und sich neu zu gebären. Er ist, obwohl
noch relativ jung an Jahren, bereits eine lebende Legende. In ihm
vereinen sich viele Kraftströme und ein Leben voller reicher und tiefer
Erfahrungen.
Er ist zudem ein tiefer Denker, also jemand, der nicht nur erlebt, sondern
über das Erlebte auch in umfassender Weise reflektiert. Dabei zeigt
sich Andreas Krüger als »einer von uns« und es ist sicherlich bezeichnend,
dass ihn das Lied »One Of Us« von Joan Osborne schon seit langer
Zeit begleitet.
In seiner Berliner Schule schwebt Andreas nicht auf einer weißen Wolke
herein, um weltferne Weisheiten zu predigen und dann wieder abzuzwitschern,
sondern er teilt mit den Menschen, die ihm lieb und teuer
sind, seinen reichen Schatz an Erfahrungen als Homöopath, als Heiler,
als Familienaufsteller, als Mystiker, als Mit-Arbeiter und als Mensch. Er ist
greifbar, spürbar und berührbar.
Über einen Zeitraum von 25 Jahren betrachtet, erleben wir Andreas
Krüger als einen einzigen lebenden Prozess, besorgt um das Wohlergehen
seiner Schützlinge, ein Sucher und Finder von Stimmigkeit, im Umgang
mit sich, der Welt, der Homöopathie und seinen Anvertrauten.
Seine homöopathischen Sonntage, bei denen jeweils ein Mittel oder
Thema vorgestellt wird, sowie seine unzähligen anderen Vorträge und
Seminare, bieten eine Besonderheit. Wohl nirgendwo sonst findet der
Sucher ein derart umfassendes und zugleich unterhaltsames Kompendium
vor, wie in der Sammlung dieser Veranstaltungen1. Man kann sagen,
dass sich Andreas Krüger auch mit diesen vielfältigen und anschaulichen
Darstellungen um die Homöopathie verdient gemacht hat.
Im Zusammenhang mit homöopathischer Forschung sind insbesondere
auch die AMEAS zu erwähnen, die »Arzneimittelentwicklungsaufstellungen
«. Hier wird die systemische Aufstellungsarbeit mit der Idee
der Mittelpotenzierung verbunden. Dadurch erhält der Homöopath erweiterte
und detaillierte Hinweise, welche Potenz eines Mittels auf welcher Ebene Wirkung zeigen kann.
Triebfeder für das Wirken von Andreas Krüger ist sicherlich auch sein
tiefes Wissen um das Leiden und der Suche nach dem Heil der Welt
sowie seine tiefe Religiosität im eigentlichen Sinne des Wortes – seine
»Rückverbindung« (lat. religio), die er auch immer wieder jenen anbietet,
die als Lernende oder als Patienten zu ihm kommen – soweit sie bereit
sind, zu essen und zu trinken, um das obige Sinnbild noch einmal aufzugreifen.
Ein besonderer Aspekt seines Wirkens ist die »Ikonenarbeit«, die Vermittlung
von »Andachtsbildern« frei von kirchlicher Doktrin. Die systemische
Aufstellungsarbeit von Andreas Krüger offenbart, in welchem
Ausmaß die eigene Herkunftsfamilie eine Kraft spendende Ikone sein
kann. In diesem Zusammenhang drängt sich das Bild auf, die ganze Welt
als eine einzige lebendige Ikone zu verstehen, in ihr Bildnis zu schauen
und darin die »Wahrheit hinter dem Schein« zu erkennen. Wir sind des
Heils wegen auf der Erde, um selbst zu heilen und um das erfahrene Heil
weiter zu geben. Hiervon gibt Andreas reichlich.


Verlange nicht voreilig nach der unreifen Frucht
und nach dem halben Preis
verlange nach der einen ganzen Gnade!
Sri Aurobindo


Das Wirken von Andreas ist grenzüberschreitend. »Frühere Leben«
und das »Reich der Träume« tragen für die Schüler und Patienten von Andreas
zu einem tieferen Verstehen bei, als es allein der Verstand vermag.
Eingebettet in etwas Größeres lösen wir uns in etwas Größeres hinein.
Damit die »Lösung« geschehen kann, stellt Andreas reichhaltige »Lösungsmittel
« bereit: Homöopathisches Wissen, Aufstellungsarbeit, Seelenbegleitung,
Traumarbeit und vieles mehr. Manchmal, wenn der Betreffende
sich gar nicht anders zu helfen weiß, träumt Andreas sogar für
ihn, damit dieser ganz, heil und eins mit sich werde.
Wir sind im Auftrag zweier Welten tätig und Andreas ist sich in seinem
Wirken dieser Tatsache sehr bewusst. Dabei steht er in beiden Welten
auf festen Füßen, was man in spirituellen Kreisen schon als eine positive
Ausnahme betrachten kann. Vielleicht war es der innere Ruf beider
Welten, der Andreas vor fast 25 Jahren dazu inspiriert hat, zusammen mit
wohlwollenden Freunden die Samuel-Hahnemann-Schule zu gründen.

 


Andreas Krüger: Abenteuer Wunder!
Vorwort von Michael Antoni


Zu den Fischen, auf zu den Fischen!
Traumworte von Andreas Krüger


Marianne Rosenberg sang einmal sehr schön: »Wunder gibt es immer
wieder«. Ich würde heute noch hinzufügen: es braucht nur den Mut, sie
auch auszuhalten. Den Fußstapfen des Wunders folgt auch ein anderer
Barde und lyrischer Wortbold, ein Apostel des Heils und Wunders, dessen
Gesänge nicht nur das gemeine Wunder zum Verweilen einladen,
sondern gar auf wundersame Weise – Schicksalsfäden durchsingend
– auch die großen Wunder auf die Bühne des Lebens locken. Sein Name:
Andreas Krüger, Heilpraktiker vom Berufe, Segen für die kranke und leidende
Seele.
Ich kann mich noch daran erinnern, wie mir Andreas vor ungefähr
fünf Jahren den Traum seiner letzten Nacht erzählte. In diesem Traum
stand ich auf und rief ihm und allen anderen Anwesenden zu: »Zu den
Fischen, auf zu den Fischen!«. Was hat das zu bedeuten?
Rückblickend ist zu sehen: seit diesem Traum hat sich das Wunder in
seiner Arbeit förmlich verselbständigt. Ich weiß nicht wirklich, ob sich die
Wunder auch vermehrt haben, denn die gab es davor auch schon zuhauf.
Was aber wirklich deutlich ist: seit diesem Traum wurde das Wunder
auf den Thron seiner Arbeit gesetzt. In Andreas’ Aufstellungsarbeit,
den Ikonen der Seele, war das Wunder immer schon wichtig und auch
wegweisend. Aber nun, auf dem Thron residierend, ist das Wunder erstmalig
alleiniger Monarch im Aufstellungsfeld und führt ihn, Andreas, den
nun dienenden Aufstellungsleiter, zur Lösung, was bedeutet: als Wunder
»voll realisiert« zu werden – wie es Andreas immer ausdrückt.
Was aber haben die Fische, zu denen er im Traum von seinem inneren
»Hofastrologikus« gerufen wird, zu tun mit dem Wunder?
Als sein äußerer Haus- und Hofastrologe wage ich eine mögliche
Antwort: In der Astrologie hat ein jedes der zwölf Tierkreiszeichen sein
Wunder. Und doch gibt es nur eines, welches mit dem Wunder in innigster
Umarmung liegt – das Tierkreiszeichen Fische. Die Mutter aller
Wunder sind die Fische. Warum? Weil dieses Tierkreiszeichen das Tor
symbolisiert, durch das alle geistigen Wesen schreiten. Es schreiten die
hindurch, die sich hinauf sehnen in die Vereinigung mit ihrem Schöpfer;
und es schreiten jene hindurch, die hinab wollen in die materielle Welt
der Erscheinung. Jedes unsichtbare Wesen, welches den körperlichen
Mantel der Sichtbarkeit anlegen möchte – und Wunder sind solche Wesen
– muss durch dieses Tor der Inkarnation. Das große Wunder des
Lebens steigt jedes Jahr aufs Neue aus der geistigen Welt herab, um mit
dem Frühlingsbeginn wieder »voll realisiert« zu werden und auch die
kleinen Wunder und Träume der Menschen tummeln sich davor, um
endlich herunterpurzeln zu dürfen in die Wirklichkeit und Sichtbarkeit
unserer materiellen Welt. Im Tierkreiszeichen Fische werden die Wunder
und Träume förmlich gelagert, bis sie bestellt und ausgeliefert werden.
»Zu den Fischen, auf zu den Fischen!« – das ist Andreas’ träumende Berufung
zu diesem Wunderlager.
In seinem Traum war das Wunder noch als wesentliches Ziel gedacht
oder geträumt; rückblickend ist das Wunder seitdem in seinem Leben
wahrlich zum Wesen geworden – zum ständigen Begleiter durch Licht
und Schatten.
Freilich wundert es nicht, zu sehen, welch gewichtige Rolle die Symbolik
des Tierkreiszeichens Fische in Andreas’ Geburtshoroskop einnimmt.
Wir finden dieses Tierkreiszeichen in der Mitte seines Himmels wieder,
an höchster Stelle – dem Medium coeli (»die Himmelsmitte«, abgekürzt
MC). Somit erkennen wir, wie hoch dieses Prinzip gehalten wird – es ist
sein höchstes Gut. In der Astrologie wird das MC auch gern als der Ort
angesehen, von dem aus der Ruf der großen Seelenmutter Hera ertönt,
den wir als Berufung erhören oder erahnen, um zum Herakles zu werden
– ein zu Hera Berufener. Und so ruft nicht nur dieser Traum, sondern
auch sein gesamtes Leben: »Auf zu den Fischen, auf zur Berufung!«. Die
astrologische Symbolsprache drückt dies in seinem Horoskop folgendermaßen
aus: der Neptun, als Herrscher über die »Fische-Berufung« (MC),
steht im 5. Haus im Tierkreiszeichen Waage. Zu deutsch: Andreas` Berufung
(MC) liegt scheinbar darin, das Wunder (Neptun) auf die Bühne des
Lebens (5. Haus) zu locken (Waage). Oder anders gesagt: Die Wunder
(Neptun) wollen kunstvoll (Waage) Gestalt annehmen (5. Haus). Dies ist
das Werdeziel des krügerischen Lebens.
In »meiner« Astrologie betrachte ich das MC gern auch als das »Fazit«
des Lebens, welches nicht nur am großen Ende gezogen werden kann,
sondern auch beliebig, mitten im Leben stehend, das bis jetzt Gewesene,
Erfahrene und Erlebte betrachtend. Es auf das Wesentliche beschränkend
gebiert das Gewesene das Wesen. Das Wesen eines Menschen zeigt sich
in dem, was in seinem Leben geworden ist. Erkennen können wir selbst
es nur rückblickend; doch erahnen können wir es allgegenwärtig – umso
deutlicher, je älter wir werden. Und manch einer spürt sehr wohl, dass
es zu seiner Aufgabe gehört, sein Wesen durch sich hindurchtönen zu
lassen, selbst zur Persona (lat. per-sonare = hindurch-tönen) zu werden,
zur Person, in deren Taten immer mehr das geistige Wesen hindurchposaunt.
An Andreas’ MC entsteigt am Ende des Weges ein Fische-Wesen aus
dem Gewesenen. Sprich: Andreas ist berufen, Persona zu werden für das
Wesen namens Wunder. Er soll zur Person werden, durch die das Wunder
hindurchtönt – Wunder, die Gestalt angenommen haben. »Zu den
Fischen, auf zu den Fischen!« heißt für Andreas: »Zum Wunder, auf zu den
Wundern, die da sind mein Wesen!«, und die sich immer mehr zeigen
werden in dem, was im Leben geworden ist. »Zum Wunder, auf zum
Wunder!« – im Traum gedacht, im Leben geworden.
In fünfundzwanzig Jahren Heilpraktikerdasein ist viel geworden, und
das, was diesem Gewesenen entsteigt, lässt ein Fazit zu, in welchem sich
Marianne Rosenberg sicherlich bestätigt sehen würde.
Andreas Krüger, hab Dank für den Mut zum Abenteuer Wunder; hab
Dank für die vielen Wunder, die zu mir und meiner Familie gefunden
haben und wir – Dank Dir – den Mut hatten, sie auszuhalten; und zu
guter letzt, Danke für das Glück, Dir ein staunender Gefährte zu sein, auf
das Gewesene bewundernd schauend und sich auf das noch Werdende
freuend.
Ich wünsche allen Lesern dieses Buches, sich anstecken zu lassen vom
Wunderapostel Krüger und den Mut zu entwickeln, das Wunder im Alltag
zu sehen – denn es ist allgegenwärtig. Möge dieses Buch verzaubern
und verwundern.
Lieber Andreas, wundervolle Freude ist in den Augen, die schauen.
Bleib getreu, auf dass die Wunder weiter »von der Lampe springen« und
die Engel frohlockend jauchzen.
Dein Hofastrologikus Michael Antoni

home